Dunera

Neu auf dunera.de 4. September 2026

Sigmund Berger – ein Apotheker aus Österreich

Mit einer neuen Biografie erinnert dunera.de erstmals an einen österreichischen Dunera Boy. Sigmund Berger wurde 1885 in Wien geboren; er war also einer der ältesten Internierten, die nach Australien abgeschoben wurden. Um eine Katholikin heiraten zu dürfen, trat er 1909 aus dem Judentum über. Er hatte Pharmazie studiert und übernahm 1918 die Schutzengelapotheke in Ebensee am Traunsee.

Nach der Annexion Österreichs im März 1938 durch die Nazis geriet Sigmund Berger ins Visier der Judenjäger und Arisierungsprofiteure. Er wurde von SA-Leuten verprügelt, eingesperrt und musste – um seine Familie zu schützen – in eine Zwangsscheidung einwilligen. Parallel versuchten unterschiedlich protegierte Nazis Zugriff auf die Apotheke zu bekommen. Die musste verkauft werden, jedoch flossen nur 70% des Kaufpreises.

Das Porträt Sigmund Bergers zeichnete der Wiener Internierte Robert Hofmann im Lager Tatura. Im Besitz von Martin Daxner.

Im Februar 1939 konnte Sigmund Berger nach England entkommen. Als Nazi-verdächtig (Kategorie „B“) verleumdet, wurde er wenige Tage nach Kriegsbeginn auf der Isle of Man interniert. Es folgte die Deportation auf der Dunera nach Australien. 1942 meldete er sich zur australischen Armee, die ihn im Dezember 1942 aus gesundheitlichen Gründen entließ.

Wenig später wurde seine Rückreise nach England eine Reise in den Tod, denn sein Schiff, die Waroonga, wurde von einem deutschen U-Boot im Nordatlantik versenkt. Bei einem Zwischenaufenthalt in New York konnte er noch seine Tochter Paula treffen, die in die USA flüchten konnte.

Sigmunds Frau Rosa und die Töchter Lore und Annemarie konnten sich in Wien bis zum Kriegsende durchschlagen. Dass Lore nach dem Krieg wie der Vater Pharmazie studiert hatte, sicherte der Familie nach langen juristischen Auseinandersetzungen die Rückübertragung der ihnen von den Nazis abgezwungenen Schutzengel-Apotheke. Die Entschädigung entsprach nicht dem tatsächlichen Schaden. „Wie in vielen vergleichbaren Fällen war es wichtiger einen Schlussstrich zu ziehen“, blickte Martin Daxner, ein Enkel Sigmund Bergers, zurück.

Blick in die Schutzengelapotheke. Quelle: Archiv Daxner.

Zur Biografie

Martin Daxner, ein Enkel Sigmund Bergers, recherchierte lange über den Großvater, die Geschichte der Familie und der Apotheke. Er ist Autor zahlreicher Artikel darüber. dunera.de dankt ihm herzlich, für seine Unterstützung bei der Zusammenstellung der Biografie und die Überlassung von Bildmaterial aus dem Archiv der Familie.


Mit diesem Beitrag veröffentlicht dunera.de erstmals die Biografie eines österreichischen Dunera-Internierten. Auch eine Neufassung der Artikelserie über die britischen Masseninternierungen ist in Vorbereitung. Dort ist u.a. ein neuer Teil über das „White Paper“ vorgesehen, das im Juli 1940 23 Kriterien für die Entlassungen von Internierten beinhaltete. Weitere Artikel sind in der Planung.

Danke für Ihr Interesse an dunera.de. Leider können aus rechtlichen Gründen keine Bilder oder Grafiken heruntergeladen werden. Bitte kontaktieren Sie uns bei Fragen zu Bildern/Grafiken!

Thank you for your interest in dunera.de. Unfortunately, images or graphics cannot be downloaded for legal reasons. Please contact us if you have any questions regarding images/graphics!

Nach oben scrollen