Der Mitteldeutsche Rundfunk eröffnete am 12. Mai 2026 in Leipzig die Wanderausstellung „Last Seen – Verschleppt aus Deutschland 1938–1945“.
Die Ausstellung ist Teil des Projekts „#LastSeen – Bilder der NS-Deportationen“. Das Projekt sammelt, sicher und erforscht seit 2021 Fotos, die die nationalsozialistischen Deportationen dokumentieren. Aus dem bisher gesammelten Material entstand ein frei zugänglicher Bildatlas mit Aufnahmen aus mehr als 70 deutschen Orten. Sie widerlegen die Schutzbehauptung vieler Deutscher nach dem Krieg, sie hätten nicht von der Vernichtung von Juden, Sintizze, Sinti, Romnja und Behinderten gewusst. Dagegen spricht schon die Beteiligung der Schutzpolizei, der Reichsbahn und anderer Institutionen an den Deportationen. Die Bilder zeigen nicht nur Täter und Opfer, sondern vielfach auch Zuschauer, die die Deportierten auf dem Weg zu Bahnhöfen beobachteten. Ziel des Projekts ist es, weitere bislang unbekannte Fotografien aufzuspüren und die Schicksale der Deportierten sichtbar zu machen. So mangelt es derzeit offenbar an Fotos aus Berlin, Hamburg, Hannover und Köln.
Die Ausstellung wurde vom MDR-Intendanten Ralf Ludwig eröffnet. An der Veranstaltung nahmen Vertreter des jüdischen Lebens teil. Schüler des Johanna-Moosdorf-Gymnasiums Leipzig und die Projektleiterin Dr. Alina Bothe (Selma Stern Zentrum für jüdische Studien an der Freie Universität Berlin) präsentierten ausgewählte Fotografien und diskutierten deren Bedeutung für die deutsche Geschichte. Unter den Gästen waren auch Lehrende und Studierende des Leibniz-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur.
Die Ausstellung wird hier zu sehen sein:
- 30. Mai bis 7. Juni in Sachsenburg/Frankenberg.
- 14. bis 28. Juni in Dresden.
- 17. August bis 14. September in Leipzig (Ariowitsch-Haus).
- 15. September bis 10. Oktober in Zwickau.
- 19. Oktober bis 7. November in Plauen.
- 9. bis 18. November in Chemnitz.
Für das Projekt wurde ein Online-Spiel für Jugendliche entwickelt. Es vermittelt, wie die NS-Deportationen abliefen indem u.a. Fotos untersucht und Quellen gefunden werden. Teilnehmer können ihre Erkenntnisse in einem Geschichts-Blogbeitrag festhalten. Es wurde mit dem DigAMus-Award 2024 für museale Digitalanwendungen ausgezeichnet.
Die Ausstellung und die MDR-Aktivitäten zur Erinnerungskultur werden u.a. durch die 3. Staffel des Podcast „NS-Cliquen: von Menschen und Mördern“ ergänzt. Diese erscheint ab dem 18. Juni auf der Plattform ARD Sounds und dokumentiert das Handeln von Männern und Frauen nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Sommer 1941.