Nach dem Ende des 2. Weltkriegs halfen viele Dunera Boys, in ihren Heimatländern eine demokratische Gesellschaft aufzubauen und das Wiederaufleben des Faschismus zu verhindern. Dieses Ziel verfolgten viele Exil-Kommunisten, von denen einige vor der Emigration im Widerstand aktiv und in Konzentrationslagern eingesperrt waren. Viele der 1940 von den Briten nach Australien Deportierten unterstützten nach der Internierung die gemeinsame Sache der Alliierten Als Soldaten unbewaffneter Pioniereinheiten der britischen oder australischen Armee. Die Dunera Boys Heinz Altschul, Georg Auer und Arthur West (geb. Rosenthal) arbeiteten nach ihrer Rückkehr als Journalisten in Österreich. In der Redaktion der „Volksstimme“, der Zeitung der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ), trafen sie sich wieder. Dieser zweite Berührungspunkt der Biografien von drei Dunera Boys war interessant genug für eine Geschichte.
Peter Dehn, Oktober 2026.
Die Drei von der „Volksstimme“
Prägend für Heinz Altschul, Georg Auer und Arthur West war u.a. das Erleben der austrofaschistischen Diktatur[1] Wikipedia über Austrofaschismus und Ständestaat. Abgerufen am 10.4.2026. im Kindesalter ab 1930, als Jugendliche der Einmarsch der Nazi-Wehrmacht[2] Wikipedia über den „Anschluss“, abgerufen am 20.4.2025. 1938 („Anschluss“), die Flucht und Vertreibung nach Großbritannien, dort Internierung und Deportation und die gemeinsame Zeit in Australien.
„Die Mehrheit der Personen[3] Maria Fanta, „Geflüchtet, heimgekehrt, erschüttert“ auf science orf.at. Abgerufen am 15.3.2026. (aller „Volksstimme“-Redakteure, dunera.de) hat sich unter Einsatz des eigenen Lebens gegen die Politik des Nationalsozialismus gestellt: durch Widerstandstätigkeiten im In- und Ausland, durch politische Aktivitäten im Exil, durch Einsatz in den alliierten Streitkräften oder durch Widerstandstätigkeiten innerhalb der Wehrmacht. In einem Wettlauf um das eigene Leben waren viele kommunistische Redakteurinnen und Redakteure aus rassistischen und/oder politischen Gründen geflüchtet und hatten sich in vielen Fällen bereits im Ausland, im Umfeld der Exilorganisationen, journalistisch einen Ruf aufgebaut.“
Im Gegensatz dazu bestimmten Profiteure der Judenvertreibung und „Wendehälse“ die Inhalte anderer Zeitungen. Nur 5,5 Prozent[4] Ebenda. der Zeitungs-Redakteure des Landes waren Rückkehrer aus dem Exil. So fanden die drei in der Redaktion der „Volksstimme“ eine Arbeit unter gleichgesinnten und Menschen mit ähnlichen Lebenserfahrungen, die ihren politischen Überzeugungen entsprach. Dieser Beitrag breichte über drei jüdische Journalisten, die in Wien geboren wurden und zu den jüngsten Dunera Boys gehörten.
Die Parteizeitung „Die Rote Fahne“ der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) erschien erstmals 1919. 1933 von den Austrofaschisten verboten konnte sie nur illegal erscheinen.
Die erste legale Ausgabe erschien am 5. August 1945 als „Österreichische Volksstimme“, ab 1957 als Tageszeitung „Volksstimme[5] Wikipedia über die „Volksstimme“. Abgerufen am 15.3.2026.“. 1991 bis 1994 erschien sie als Wochenzeitung. 2004 wurde eine Monatszeitschrift „Volksstimmen“ gegründet, die seit 2009 als politisches Monatsmagazin wieder „Volksstimme“ heißt. Seit 2018 gestaltet eine ehrenamtliche basisdemokratische Redaktion zehn Ausgaben pro Jahr. Seit 1946 veranstaltet die KPÖ das Volksstimmefest[6] Wikipedia über das Volksstimmefest. Abgerufen am 15.3.2026. im Wiener Prater.
Heinz Altschul: „In gewissem Sinn von Politik beleckt“
Heinz Altschul, der älteste des „Volksstimme“-Trios der Dunera Boys, wurde am 11. Dezember 1920 in die Familie von Arthur Altschul, Ingenieur, und Hilde geb. Schmidt geboren. Sein Vater führte ein Elektrogeschäft in der Liechtensteinstraße. Es war ein jüdisches und sozialdemokratisches Elternhaus. „Ich war also in gewissem Sinn von Politik beleckt“, erinnerte sich Heinz Altschul[7] „Ein österreichischer Publizist im Widerstand“ in „Erinnerungen“ Band 5 Hrg. Von Renate S. Meissner für den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus“, Wien 2018, ISBN 978-3-9504794-8-5, Seite 274. Der dort abgedruckte Text ist eine Bearbeitung des gleichnamigen Interviews der Reihe „Projekt Oral Video History“ von Klaus Hübner und Lukas Ressl, Uni Wien 1992. Abgerufen am 16.6.2026..
Erste eigene politische Erfahrungen machte er schon als zwölf- oder 13jähriger: 1934 bis 1938 wurde Österreich von Kurt Schuschnigg als austrofaschistische Diktatur („Ständestaat“) regiert. Auch wegen des wirtschaftlichen Niedergangs gab es starken Widerstand von Sozialdemokraten, Kommunisten und anderen politischen Kräften gegen diese Regierung und die vom Nationalsozialismus und italienischen Faschismus inspirierte autoritäre Staatsform. Heinz kam in Kontakt zu den Jugendverbänden der beiden linken Parteien, verteilte mit ihnen Flugblätter, nahm an Demonstrationen teil. 1936 wurde er während eines Treffens kommunistischer Jugendlicher verhaftet und mehrere Tage festgehalten[8] Ebenda, Seite 275.. Das brachte ihm Probleme in der „k.k. Staatsgewerbeschule chemisch-technischer Richtung“, die er zu der Zeit besuchte.
Für Heinz Altschul waren die rechte Diktatur, der Antisemitismus des „Ständestaates“ und die beginnende Unterwanderung durch Ableger der deutschen NSDAP Auslöser für die Überlegung[9] Ebenda, Seiten 275/276.,
„dass man eigentlich nach rechts kämpfen muss und vor allem auf der rechten Seite die Auswüchse des Faschismus bekämpfen muss. (…) Ich war allerdings damals erst zwölf, dreizehn Jahre alt. Aber ich habe das bewusst erlebt.“
„Es hing immer am seidenen Faden“
Dann kam der „Anschluss“ am 12. März 1938 und der Terror der Nazis gegen Juden und politische Gegner. „Jude und Kommunist, das war zu viel“, beschrieb seine Tochter Susanne die Situation[10] Saskia Etschmaier, Carina Kainz „Es hing immer an einem seidenen Faden“. ORF-Interview mit Susanne Altschul, 23.11.2018. Die Datei enthält eine Textabschrift und Videos des Gespräches. Abgerufen am 22.3.2026., in der sich Heinz befand.
Die Nazis begannen sofort nach dem Einmarsch in Österreich mit antisemitischer Hetze. Uniformierte Nazis und Passanten beobachteten am 15. März 1938 mit sichtlicher Genugtuung, wie Juden zur Reingung des Bürgersteigs gezwungen wurden. Quelle: Wikipedia.
„Ich wurde am 10. November 1938 („Reichskristallnacht“) festgenommen[11] „Erinnerungen“ aao., Seite 274. und in das Polizei- und SS-Revier 9., Pramergasse, verbracht, geprügelt und zusammengeschlagen. Am 11. November wurde ich durch einen glücklichen Umstand (einer der SS-Leute war ein ehemaliger Schulkollege und hat mir geholfen) freigelassen. Danach habe ich nicht mehr zu Hause, sondern bei Freunden geschlafen. Die Emigration gelang mir dann mit einem falschen Pass im März 1939 nach England.“
Mit dem tschechischen Pass eines Schulfreundes samt gefälschtem Foto ausgestattet erreichte Heinz im März 1939 Prag. Doch schon wenige Tage später marschierte die Wehrmacht auch dort ein. Die Zufallsbegegnung mit einem weiteren Freund verschaffte ihm ein Reisedokument und er traf über Wien und dem Abschied von den Eltern in England ein. Dort erzählte er seine Geschichte und wurde wegen des gefälschten Passes zu vier Wochen Haft verurteilt. Er musste aber zweieinhalb Monate bis zur Klärung im Knast verbringen. Der Ausweisung entging er durch die Unterstützung von Flüchtlingsorganisationen.
„Wie mein Vater aus Österreich geflüchtet ist, war er noch nicht einmal 18! Wenn ich mir vorstelle, mein Sohn muss mit 18 weg! Abgesehen davon wussten ja auch seine Eltern nicht, ob sie ihn jemals wiedersehen werden. Er wusste es ebenso nicht. Das muss eine sehr große Belastung gewesen sein.“ (Susanne Altschul[12] Etschmaier, Kainz. aao., 2018)
Er bekam eine Unterkunft[13] Home Office (Innenministerium) Karteikarten Heinz Altschul. Via Ancestry. Abgerufen am 17.4.2025. in Willesden im Nordwesten Londons und wurde Lehrling bei der Firma H. Weiss & Co in London. Dann kamen die Verhöre vor den Tribunalen. Als mit gefälschtem Dokument eingereister „feindlicher Ausländer“ wurde er sofort interniert[14] „Erinnerungen“ aao., Seite 278.. „Es war nicht entscheidend, ob man Antifaschist war oder irgendwas, sondern es war eine reine bürokratische Angelegenheit.“
Auf seinen Karteikarten des Home Office wurde am 8. November 1939 vermerkt: „Internierung bis auf weiteren Befehl“. Der Vermerk „Interned by S of S“[15] Das Kürzel „S of S“ steht für „Secretary of State“, also ein nicht näher genanntes britischen Ministerium. verweist auf eine entsprechende Anweisung aus einem Ministerium. Heinz wurde daraufhin für zwei Monate in Warner’s Holiday Camp in Seaton (Devon) inhaftiert. 90 Prozent der Insassen dort waren Nazis, erinnerte sich Altschul, und es gab „richtige schwere Schlägereien[16] „Erinnerungen“ aao., Seite 278.“. Wieder in Freiheit lebte und arbeitete er in London und bekam Kontakt zur überparteilichen Exilorganisation „Young Austria“.
Internierung und Abschiebung
Arbeitssoldaten: Stehend v.l.n.r: ?, Klaus Wilvzynski, Heinrich Eggebrecht („Piepel“), Paul Friedländer („Bonzo“), Georg Auer, Heinz Altschul. Knieend: ?, ?, Helmut Rosenthal, Albert Kleeberg, ?, ?. Auf der Rückseite unterschrieben alle. Wer kann helfen, Erwin Dengler, Werner Michels, Kurt Schmahl, Alfred Reichwald („Fredi“) und Walter Hofstadter zuzuordnen? Foto: Harry Jay im Archiv Friedländer.
Mit den militärischen Erfolgen der Wehrmacht in Westeuropa kam die Angst der Briten vor einer Invasion und einer „fünften Kolonne“ und von Nazi-Spionen, die das vorbereiten könnten. Churchill veranlasste die Internierung von bis zu 27.000 der rund 70.000 deutschsprachigen Flüchtlinge. Auch dabei wurde nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden. Tausende Juden und Nazigegner, die sich in Großbritannien vor Verfolgungen sicher glaubten, wurden hinter Gitter gebracht. Heinz Altschul wurde am 24. Mai 1940 verhaftet und in die Oratory Central School[17] Home Office, Karteikarten H. Altschul aao. gebracht und danach im Internierungslager[18] Wikipedia über britische Internierungslager im 2. Weltkrieg. Abgerufen am 20.2.2024. Kempton Park[19] Personalakten Heinz Altschul, National Archives of Australia (NAA), NAA_ItemNumber9905538. Abgerufen am 17.4.2025. bei London festgehalten.
Ähnlich wie Sigurd Lohde ging Heinz Altschul von einer Verlegung auf die Isle of Man aus und bezeichnete seine Verschiffung nach Australien als Irrtum. Sein Name auf der Liste Nr. 12[20] Complete Nominal Roll of Internees ex „DUNERA“ „NAA_ItemNumber657104. Abgerufen am 10.8.2023. war einer von 269, die aber nicht für die Isle of Man sondern für die Dunera bestimmt waren. Im Hafen von Liverpool begann die Reise am 10. Juli mit zunächst unbekanntem Ziel und dem ersten Raubzug der Bewacher. „Es war dann eine sehr, sehr, sehr furchtbare Reise. (…) Das Schiff war buchstäblich wie ein Konzentrationslager[21] „Erinnerungen“ aao., Seite 279. …“.
In Australien wurde Heinz Altschul mit rund 1.000 „Dunera Boys“ zunächst in Hay (New South Wales), Camp 8, später in einem Lager bei Tatura (Victoria) hinter Gitter gebracht. Den Antifaschisten war dort jede politische Betätigung verboten. „Wir haben eine Jugendgruppe gebildet mit österreichischen und deutschen Jugendlichen. Wir haben uns dort gemeinsam Fragen gestellt, die uns bewegten, Probleme diskutiert. Und dann haben wir auch im Lager Diskussionen gemacht über Fragen des Wiedererstehens Österreichs …“, berichtete[22] Ebenda, Seite 280. Heinz Altschul später. Aktivitäten der Kriegsgefangenen und australischen Nazis bemerkten die australischen Bewacher übrigens erst nach Jahren.
Das britische Home Office hatte am 15. Februar 1941 zwar Heinz Altschuls Entlassung[23] Home Office, Karteikarten H. Altschul aao. aus der Internierung verfügt. Bis das Australien erreichte und umgesetzt werden konnte, dauerte es Monate. Australien wollte keine Internierten aufnehmen und verlangte deren Freilassung auf britischem Territorium[24] Diese Bedingung behinderte die Internierten, weil sie zuerst nach Großbritannien geschafft werden mussten, um ihre Freiheit zu erlangen. Während des Krieges konnte das nur unter Lebensgefahr geschehen. Die australische Menzies-Regierung wollte Internierte dadurch aus dem Land heraushalten.. Trotz der kriegsbedingt beschränkten und gefährlichen Reisemöglichkeiten wurden 747 Dunera-Internierte[25] Carol Bunyan „Ships on which Dunera internees returned tp Britain , 1941 – 1945“ in „Duenra Lives. A Visual History“, Seite 518. bis Ende 1941 nach England zurückgebracht. Die meisten hatten sich für Pioniereinheiten der britischen Armee gemeldet. Viele Internierte hätten jedoch lieber mit der Waffe gegen die Nazis gekämpft.
Nach den ersten japanischen Luftangriffen[26] Wikipedia über die Luftangriffe auf Australien, abgerufen am 25.8.2025. auf den australischen Kontinent schwenkte die Regierung um und verlangte von allen Einwohnern, ob Bürger Migranten oder Internierten, die Beteiligung an der Verteidigung[27] Zit.n. June Factor „Soldiers and Aliens“, Melbourne 2022, ISBN 9780522878585, Seite 34.. Anfang 1942 folgte das Angebot an die Internierten, freiwillig[28] Vgl. Aktennotiz des General-Adjudanten für das australische Parlament, 29.3.1946. NAA_ItemNumber4938132, Blatt 28, Ziffer d. in die australische Armee einzutreten.
Am 7. Juli 1942 teilten britische Behörden mit, dass keine Bedenken[29] Newsam (Home Office) am 7.7.1942 an den britischen Beauftragten für die Internierten Julian Layton. In NAA_ItemNumber216018. gegen den Dienst von Heinz Altschul in der Armee bestehen. So wurde Heinz im August 1942 Soldat ohne Gewehr in der 8th Employment Company. Die bis zu 500 Mann der ausschließlich aus Internierten gebildeten Einheit verrichteten schwere Ladearbeiten im Hafen von Melbourne und auf den Bahnhöfen von Albury und Tocumwal.
Heinz Altschul als Soldat der 8th Australian Employment Company. Foto: Archiv S. Altschul.
Die Militärakte von Heinz Altschul beinhaltet einen Vermerk vom 18. Dezember 1944: Er habe in Tocumwal die Holztruhe[30] Militärakte H. Altschul, and Casualty Form, in NAA_ItemNumber6238805. einer Eisenbahngesellschaft „böswillig beschädigt“, behauptete die örtliche Polizei und verurteilte ihn zu 5 Pfund Schadensersatz.
„… Mittel und Wege …“
Heinz als Soldat mit Elizabeth ca. 1944 in Melbourne. Foto: Archiv S. Altschul.
Ungeachtet des Verbots politischer Arbeit in der Armee nahmen Heinz Altschul und viele seiner Kameraden aus Österreich ihre politischen Aktivitäten wieder auf. „Wir haben Mittel und Wege gefunden, das zu umgehen[31] „Erinnerungen“ aao., Seite 280..“ Man diskutierte die wichtigen Themen nicht nur weiter, sondern baute Kontakte zu Australiern auf, um sie über den Hintergrund des „Anschlusses“ und ein gewünschtes neues Österreich zu informieren. So entstand in Melbourne eine Gruppe von „Young Austria[32] Ebenda, Seite 282.“ nach britischem Vorbild.
„Auch per distance“ zwischen dem Armeestandort und privaten Wohnungen in Melbourne wurde die Herausgabe der kleinen Zeitung „Young Australia in Australia“ organisiert. „Die Ur-Australierin Elisabeth (die spätere Ehefrau von Heinz Altschul, Red.), die auch nach 45 Jahren in Wien ihren Akzent nicht los geworden ist, dreht die Kurbel des Abziehapparates[33] Georg Auer „Down Under - ganz unten drunter …“ in Medien&Zeit 1/88, Seite 25.. Abgerufen am 10.7.2026. nächtelang“.
Noch während der Armeezeit heiratete[34] Militärakte Heinz Altschul, Eintrag vom 29.8.1945. Heinz am 22. August 1945 in Melbourne Elizabeth Kemp Kewish (1918 – 1989). Am 11. Januar 1946 wurde Heinz aus der Armee entlassen.
Keine Überlegung, zu bleiben
„In Australien zu bleiben, kam „kam für meinen Vater irgendwie überhaupt nicht infrage“, erinnerte sich seine Tochter Susanne[35] Etschmaier, Kainz aao.. „Er hat nicht viel erzählt, und ich weiß auch gar nicht, wie sehr er sich auf Australien eingelassen hat.“
„Meine Mutter erklärte sich bereit, mit ihm in das zerbombte Wien zurückzukehren. Denn für meinen Vater war es nie eine Überlegung, in Australien zu bleiben. Er wollte auch jeden Fall zurück nach Österreich. Wo auch seine Eltern im KZ umgekommen sind.“
Die Vermerke des Home Office[36] Home Office, Karteikarten H. Altschul aao. über seine Rückkehr sind widersprüchlich: Einerseits war von der „Rückkehr nach UK zur weiteren Entscheidung“ die Rede. Ohne Datum wurde vermerkt: „Wieder interniert B, freigelassen C“. Die Buchstaben verweisen hier offenbar auf die Kategorisierung, wobei „B“ für einen als Nazi-Verdächtigen und „C“ für einen Flüchtling steht. Auf einer anderen Karte wurde jedoch „kehrte ins UK auf der SS Stirling Castle 14.4.46 als freigelassener Internierter zurück“ notiert. An Bord waren u.a. auch die Ex-Internierten[37] Passagierliste via ancestry. Abgerufen am 17.3.2024., Gerhard Besch und Kurt Schmahl, die zu den jüngsten Internierten zählten, Eugen Eckerle und der ebenfalls aus Wien stammende Alfred Rosenthal.
Auszug aus der Passagierliste der Stirling Castle (via ancestry).
Heinz und Elisabeth mussten allerdings „aus bürokratischen Gründen“ getrennt reisen[38] „Erinnerungen“ aao., Seite 285..
Zurück im zerstörten Wien
Im August 1946 trafen Heinz und Elisabeth Altschul in Wien ein. Sie waren von den Zerstörungen durch den Krieg tief erschüttert. Er begann eine politische Tätigkeit in der überparteilichen „Freien Österreichischen Jugend“ und schrieb für deren Publikationen. Elizabeth arbeitete als Übersetzerin für Englisch und Französisch.
1950 besuchte Heinz einen internationalen Friedenskongress in Wien. 2.000 Teilnehmer aus aller Welt hatten sich trotz beschränkter Reisemöglichkeiten versammelt. 1952 schickte ihn seine Partei in den Österreichischen Friedensrat, für den er von 1954 bis 1968 als Sekretär tätig und u.a. für die Publikationen verantwortlich war. Diese Organisation verstand sich als nationale Vertretung des World Peace Council[39] Wikipedia über den Weltfriedensrat. Abgerufen am 10.3.2024. (Weltfriedenrat), der im Kalten Krieg vom Westen pauschal als kommunistisch gelenkt eingeordnet wurde.
Werbeplakat für den Schreibwettbewerb des Chaplin-Fonds. Quelle: Charlie Chaplin Archiv.
Sekretär des Österreichischen Friedensrates
„Ich habe in der Zeitung wiederholt geschrieben, im Wesentlichen immer wieder um diese Fragen herum: gegen Atomwaffen[40] „Erinnerungen“ aao., Seite 296., gegen die Atomgefahr, für die Erhaltung des Weltfriedens.“ 1958 ging von England die Ostermarschbewegung[41] Wikipedia über die Ostermärsche. Abgerufen am 5.7.2026. aus, die auch in Österreich Fuß fasste. „Es waren auch eine Reihe Leute dabei, die heute Regierungsfunktionäre sind“ deutete Heinz Altschul die Breite dieser Antikriegsbewegung[42] „Erinnerungen“ aao., Seite 297. an.
1954 wurde Charlie Chaplin vom Weltfriedensrat ausgezeichnet, womit eine finanzielle Dotierung verbunden war. „Ich halte es für richtig, dass das Geld, das ich als Friedenspreis erhalten habe, dazu verwendet wird, den Benachteiligten zu helfen[43] M. Massiani „Charlie Chaplin gives Abbe Pierre Part of Communist Sponsored Prize“ in „The Catholic Standard and Times“, Volume 60, Number 4, 22 October 1954. Abgerufen am 15.5.2026.“, erklärte der Schauspieler, als er einen Teil des Preisgeldes dem katholischen Geistlichen Abbé Pierre übergab, der in Paris Obdachlose betreute. 110.000 Schilling aus dem Preisgeld stellte der Charlie Chaplin Peace Fund der Stadt Wien für die Unterstützung humanitärer und friedensbildender Aktivitäten zur Verfügung. Für den zum Treuhänder berufenen Österreichischen Friedensrat organisierte Heinz Altschul sechs Wettbewerbe. Das wurde angenommen: Allein für den Literatur-Wettbewerb wurden 220 Beiträge[44] „Zahlreiche Beteiligung am Wettbewerb des Chaplin-Friedensfonds“, in Österreichische Zeitung vom 18.2.1955, Seite 6, im ANNO-Archiv. Abgerufen am 20.7.20226. eingereicht.
Neben anderen Aktivitäten setzte sich der Friedensrat im Rahmen des Chaplin-Funds auch für ein Denkmal für Bertha von Suttner[45] Wikipedia über Bertha von Suttner. Abgerufen am 20.7.2026. (1843-1914) in Wien ein. Die lokale Behörde verweigerte die Ehrung der ersten Trägerin des Friedensnobelpreises und Kämpferin gegen Antisemitismus aus fadenscheinig wirkenden „denkmalarchitektonischen Gründen[46] „Noch kein Platz für ein Bertha v. Suttner-Denkmal“, in Österreichische Zeitung vom 20.1.1954, Seite 3, im Anno-Archiv. Abgerufen am 20.7.2026.“. Es dauerte bis 1958, bis eine von Siegfried Charoux geschaffene Statue an anderer Stelle aufgestellt werden konnte.
Abrechnung mit der KPÖ
Die Tätigkeit im Friedensrat war nicht ohne – vor allem interne – Konflikte. Die sowjetischen Abgesandten verlangten, „alles gutzuheißen, was Sowjetunion ist, und alles schlecht, was auf dem Westen kommt“, erinnerte Heinz Altschul[47] „Erinnerungen“ aao., Seite 297.. Nachdem er sich anlässlich der Ereignisse in Ungarn 1956 noch für den Verbleib in der KPÖ entschieden hatte, hielt er nach dem Ende des Prager Frühlings 1968 nicht mehr mit Kritik[48] Ebenda. hinterm Berg. Er wurde aus der KPÖ ausgeschlossen.
Wiederbegegnung der Dunera Boys Heinz Altschul (3.v.l. ohne Jackett) und Heinz Dehn (links daneben) bei Veranstaltungen des Weltfriedensrates. Hier in Eger (Ungarn), ca. 1963. Foto: Familienarchiv Dehn.
Heinz Altschul wurde von 1969 bis 1988 Redakteur der österreichischen Nachrichtenagentur APA, und war dort 1982 Chef vom Dienst, ab 1985 stellvertretender Chefredakteur. Eine seiner Initiativen für die APA war der Aufbau eines Mitarbeiternetzes in osteuropäischen Nachbarländern. 1988 ging er in Rente, war jedoch weiter für die APA aktiv – unter anderem berichtete er rund um den Fall der Mauer.
„In würdiger Haltung“ untragbar
1998 machte er selbst Schlagzeilen: „In würdiger Haltung[49] Sepp Astner in „Kleine Zeitung“ vom 6.3.1998 (Archiv Familie Altschul).“ gab er das Ehrenzeichen[50] Wikipedia über das Goldene Ehrenzeichen. Abgerufen am 15.7.2026. für Verdienste um die Republik Österreich zurück. Damals hatte Robert Haider[51] Wikipedia über Robert Haider. Abgerufen am 15.7.2026., der Vater des Ex-FPÖ-Chefs Jörg Haider, diese höchste Auszeichnung des Landes erhalten. Der betrieb als Mitglied der verbotenen paramilitärischen Terrororganisation der österreichischen Nazis „Österreichische Legion[52] Wikipedia über die Österreichische Legion. Abgerufen am 15.7.2026.“ ab 1933 von Bayern aus aktiv die „Untergrabung der damals noch unabhängigen Republik Österreich. Es sei ihm deshalb unmöglich, im Besitz einer auch nur ähnlichen Auszeichnung zu bleiben, begründete Heinz Altschul die Rückgabe des Ordens[53] „Der Standard“, Wien, Nachruf auf Heinz Altschul. Abgerufen am 10.5.2026.. Die hätte er übrigens auch mit Hans Globke geteilt[54] Wikipedia: Liste der Träger des Ehrenzeichens. Abgerufen am 15.7.2026.; der Mitautor der Nürnberger Rassengesetze war zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt und zur „grauen Eminenz“ Adenauers[55] Wikipedia über Hans Globke, abgerufen am 20.10.2024. aufgestiegen.
Nachrufe
Heinz Altschul verstarb am 19. April 2011 in Wien; er hinterließ die Töchter Susanne (*1951) und Margarete (1947 – 2025). Seine früheren Kollegen der APA und andere würdigten ihn in Nachrufen[56] Der Standard“, Wien, Nachruf aao.:
„Altschuls Credo nach dem Zweiten Weltkrieg war es, über alle weltanschauliche Grenzen am Aufbau eines demokratischen und freien Österreich und seiner journalistischen Entsprechung mitzuwirken. Totalitäre Systeme – egal welcher Ideologie – lehnte er ab.“
„Heinz Altschul war über viele Jahre einer der profiliertesten Agenturjournalisten des Landes. Er war kritischer Geist und väterlicher Freund in einer Person. Altschul wird der APA-Familie fehlen.“ (APA-Chefredakteur Michael Lang).
„Heinz Altschul hatte stets ein tiefes Verständnis für die APA als Ganzes und für ihre Rolle in der österreichischen Öffentlichkeit. Er hat sich außerordentliche Verdienste um die APA erworben und wird untrennbar mit der Geschichte des Hauses verbunden bleiben.“ (APA-Geschäftsführer Peter Kropsch).
Heinz Altschul (r.) bei einer Besprechung in der APA. Foto: Archiv S. Altschul.
Der Journalist Georg Tillner[57] Georg Tillner „Nachruf auf Heinz Altschul“. Abgerufen am 10.5.2026. schrieb: „Ich weiss, dass er einer jener war, die aus der eigenen Erfahrung und dem emphatischen Mitempfinden der Grausamkeiten und Schrecken der Welt nicht in Egoismus oder Verbitterung verfiel. Sondern daraus einen kämpferischen kompromisslosen Humanismus speiste. (…) Es braucht Frauen und Männer wie ihn, die all die kleinen und großen Räder antreiben, die Gesellschaft ausmachen, und die dabei nicht wegsehen, die nicht aus zahllosen kleinen Kompromissen eine große Verleugnung machen“.
„Mein Vater hat unter schwierigen Umständen überlebt, und es hing immer am seidenen Faden. Er hätte auch jederzeit auf der Flucht, vor der Flucht auffliegen können. Ich verdanke seiner Flucht mein Leben, wenn man so das so will.“ (…) „Für mich zeigt sich, wie nahe Glück und Unglück nebeneinanderliegen. Das ist immer so, aber in so extremen Zeiten noch viel mehr. Es zeigt auch, dass Menschen nicht freiwillig die Flucht ergreifen, was wir uns auch heute immer wieder ins Gedächtnis rufen sollten.“ (Susanne Altschul[58] Etschmaier, Kainz aao.)
Georg Auer: „Ich habe noch eine Frage: erstens …, zweitens …, drittens …“
Georg Auer wurde am 4. August 1922[59] Wikipedia über Georg Auer. Abgerufen am 12.5.2026. in Wien in die jüdische Familie von Robert (1873 – 1942) und Ernestine genannt Erna (geb. Rubinova, 1885 – 1942) geboren. Sie hatten 1919 geheiratet. Robert[60] Martin Auer „Steine der Erinnerung: Robert und Erna Auer“, online. Enthält neben einer ausführlichen Biografie der Eltern auch Briefe an Georg und Emil in Australien und Hugo und Hilde in den USA. Abgerufen am 25.7.2026. war Bankbeamter und leitete das Büro der Generaldirektion des Wiener Bankvereins.
„Links orientiert von den Eltern“
Robert Auer stand der Sozialdemokratie nahe. Jedoch könnte auch das eigenes Erleben politischer Ereignisse seinen Sohn Georg früh geprägt haben: Während des sozialdemokratischen Aufstandes vom Februar 1934[61] Wikipedia über den Februar-Aufstand. Abgerufen am 20.7.2026. gegen die austrofaschistische Diktatur beschossen Einheiten der Regierung die Wiener Arbeitersiedlung Karl-Marx-Hof mit Kanonen, die nahe der elterlichen Wohnung aufgestellt waren.
Georg Auer ca. 1936 in der Pfadfinder-Kleidung. Foto: Archiv Auer..
„Links orientiert[62] Georg Auer in Erich Makomaski Hrg. „Freie Österreichische Jugend“, Seite 32/33; auf der Website der KPÖ Steiermark. Abgerufen am 20.6.2026. war ich schon von meinen Eltern, die Sozialdemokraten waren. 1934, mit 12 Jahren, trat ich einer Pfadfindergruppe bei, die damals schon illegal von sozialistischen Studenten geführt wurde.“
Georgs Sohn Martin Auer rekonstruierte die Stimmung gegen Ende der austrofaschistischen Diktatur von 1930 bis 1938 und den Einmarsch der HItler-Wehrmacht[63] Martin Auer, „Erinnerungen an den 13. März 1938“, am 13. März 2026 erschienen in den Blogs der Zeitung „Der Standard“; abgerufen am 15.6.2026. aus der Perspektive seines damals 15jährigen Vaters:
„Wirklich diese Zeit, diese letzten Tage vor dem Anschluss. Da hat man natürlich nichts mehr in der Schule gelernt. Da ist man nur mehr demonstrieren gegangen. Die einen, schon ziemlich offen als HJ-ler, in Lederhosen mit so einem breiten Gürtel und weißen Kniestrümpfen. Und die anderen halt wieder ein bisschen anders angezogen. Und man ist in der Straße, man ist rund um die Ringstraße gefahren, hat sich gegenseitig geschlagen und gehaut und hat gegeneinander geschrien. Und die Stimmung in der Schulklasse, wir wussten, es war ja lange bekannt, wer ist ein Jude, wer ist ein Roter, wer ist ein Christlichsozialer und wer ist ein Nazi. Das war bekannt. Wir waren unerhört politisiert. Und wenn man vorher miteinander ganz gut ausgekommen ist, nachher war es dann eine schreckliche Stimmung, eine Rauferei. Also in den letzten Tagen vor dem Einmarsch der Deutschen.“
Kindertransport nach England
Sofort nach der Eingliederung Österreichs ins „Großdeutsche“ Reich leiteten die Nazis eine Welle antisemitischer Gewalt ein. Dass Juden in Wien gezwungen wurden, den Bürgersteig zu putzen[64] Wikipedia über die „Reibpartie“. Abgerufen am 10.3.2026., war noch das Geringste. Von den noch 542.000 Juden im Hitler-Reich waren 192.000 Österreicher; in Wien betrug ihr Anteil an der Bevölkerung neun Prozent. Österreichische Nazis versuchten, durch wilde „Arisierungen“[65] Das Beispiel einer „wilden Arisierungen“ ist die Geschichte von Sigmund Berger und seiner Apotheke. jüdischer Betriebe in ihren Besitz zu bringen und deutsche Arisierungs-Profiteure vor vollendete Tatsachen[66] Vgl. Wikipedia über die Novemberpogrome 1938. Abgerufen am 10.3.2026. zu stellen. Georg und sein ebenfalls 1922 geborener, wenige Wochen jüngerer, Cousin Emil hatten Glück in diesem Unglück. Sie konnten im Dezember 1938 mit einem von den Quäkern organisierten Kindertransport[67] Wikipedia über die Kindertransporte. Abgerufen am 10.7.2026. nach England entkommen und waren damit sicher vor dem Zugriff der Nazis. Martin Auer[68] Martin Auer, „Erinnerungen …“ aao.:
„Die, die hier bleiben, und die, die von hier weggehen, wissen in der Tiefe ihres Herzens, dass nur ein Wunder sie wieder vereinigen kann: Kindertransport für nicht glaubensjüdische, nach den Nürnberger Rassengesetzen jüdische Kinder nach England. Auch unser junger Mann jetzt offiziell Aufsichtsperson, weil gerade über 16 Jahre alt, ist darunter. Er würde auch eher eine Aufsichtsperson brauchen, als jetzt Aufsichtsperson zu sein. So führt er nun sein Häufchen Elend zum Zug. Und schleppt seinen eigenen Koffer voll Elend mit.“
Der britische Staat hatte keine Kosten für die Rettung der Kinder erübrigt. Im Gegenteil: Für jedes Kind wurde eine Garantie über 50 £ Sterling verlangt, um die von Staats wegen wünschenswerte spätere Remigration nicht finanzieren zu müssen.
Georgs und Emils Familien
Georgs Eltern Robert und Erna hatten zwar 1941 eine Bürgschaft („Affidavit“) und Schiffskarten für die USA erhalten, jedoch verhinderten die Nazis und der Krieg ihre Flucht. Dennoch standen sie mit ihren Angehörigen über das Rote Kreuz in Kontakt. Am 5. August 1942 schrieben Robert und Erna[69] Martin Auer „Steine der Erinnerung: …“ aao. an Hugo und Hilda in den USA und Georg und Emil in Australien:
„Voraussichtlich werden wir Wien bald verlassen. (…) Es ist unsicher, ob wir Euch noch jemals sehen werden, unsere Gedanken sind immer in Liebe und Treue bei Euch allen.“
Dieser Brief deutete an, was ihnen wenig später widerfuhr. Robert und Erna Auer wurden am 13. August 1942 nach Theresienstadt deportiert und von dort am 26. September 1942 ins Vernichtungslager Treblinka gebracht, wo sie ermordet wurden.
Emils Eltern Hugo und Hilda hatten zu den Glücklichen gehört, die rechtzeitig fliehen konnten und in die USA gingen.
„Wie die ersten Weißen …“
In England wohnten Georg und Emil[70] Georg Auer, Emil Auer, Karteikarten des Home Office, via ancestry. auf einer Farm in Trimley (Suffolk). Das Home Office führte Georg als Lehrling der Möbeltischlerei bei einer Firma im nahegelegenen Felixtown. Die britischen Tribunals entschieden, Georg und Emil seien „auszunehmen von einer Internierung“. Ein halbes Jahr später war das aufgrund der Furcht der Briten vor einer Nazi-Invasion jedoch nichts mehr wert. Tausende Flüchtlinge und eine Handvoll Nazis wurden als potenzielle „fünfte Kolonne“ der Nazis in ihren Wohnungen oder an den Arbeitsplätzen verhaftet und in Internierungslager gesteckt. Georg kam nach Huyton bei Liverpool, Emil traf es wesentlich schlechter in dem schlimmsten Lager Warth Mills[71] Georg Auer, Emil Auer; Personaldaten in den National Archives of Australia (NAA). bei Bury in Lancaster.
Mehr als 2.000 Nazi-Verfolgte, unter ihnen Georg und Emil, wurden am 10. Juli 1940 nach Liverpool auf den Militärtransporter HMT Dunera gebracht und nach Australien verschifft. Georg Auer[72] Auer in Makomaski aao kommentierte später:
„Ich bin dann also, wie es sich gehört, in Australien angekommen. Nämlich wie die ersten Weißen, auf einem Gefangenenschiff.“
Eine Freilassung mit Verzögerung
Nach der Landung der Dunera in Sydney wurden 2.000 Internierten nach Hay (News South Wales) gebracht. Dort befanden sich zwei eigens errichtete Camps, nur getrennt durch eine Straße. Georg und Emil fanden Unterkunft hinter Stacheldraht im Camp 8[73] Georg Auer, Emil Auer; Daten des NAA aao. bei Hay. Die Hay-Internierten wurden im Mai 1941 in Lager im Raum Tatura (Victoria) verlegt, wo das Klima erträglicher war.
Die britischen Anweisungen zu Emils und Georgs Freilassung tragen das Datum des 25. Januar 1941. Die Freilassung wurde aufgrund australischen Widerspruchs nur auf britischem Boden gewährt. Wer das wollte, musste sich freiwillig für britische Pioniertruppen melden. Die Reise war von den Transportmöglichkeiten abhängig. Zudem bestand große Gefahr durch U-Boot-Attacken, durch die zwei Schiffe mit Internierten an Bord, die Abosso und die Waroonga, versenkt wurden.
Georg, Emil und Hunderte Internierte entschieden sich anders. Die beiden mussten noch 14 Monate hinter Gittern verbringen. Nach den japanischen Luftangriffen von Anfang 1942 wurde jede Hand in der Wirtschaft gebraucht. Erst dann änderte Australien seine ausländerfeindliche Politik und bot Internierten, die sich freiwillig[74] Vgl. Aktennotiz des General-Adjudanten für das australische Parlament, 29. März 1946. National Archives of Australia (NAA), NAA_ItemNumber4938132, Blatt 28, Ziffer d. zur Armee meldeten, die Einbürgerung oder ein Aufenthaltsrecht an. Georg und Emil waren im April 1942 unter den ersten, die sich für die 8th Employment Company meldeten. „Ich dachte, das hilft im Krieg gegen Hitler, blickte Georg Auer[75] Manfred Bobrowsky, Video „Georg Auer spricht über Exiljournalismus“ in der Reihe „Projekt Oral Video History“ der Uni Wien (03‘09‘‘). Abgerufen am 16.6.2026. auf diese Entscheidung zurück.
Bei „Young Austria“ wurde die Kultur der Heimat gepflegt. Eine Tanzgruppe vor dem Auftritt im Rathaus von Melbourne: Emil Auer (obere Reihe links), Georg Auer (mittlere Reihe rechts) und Heinz Altschul (untere Reihe 2.v.r.). Quelle: Verein Kunstplatzl Wien, Young Austria Archiv, Sonja Frank.
„Knee-Top-Publishing“
„Erst durch die Internierung und Deportation nach Australien kam ich mit einer Parteigruppe der KPD und KPÖ zusammen, die schon im Internierungslager aktiv war. Österreichische Mitglieder der Gruppe wie Heinz Altschul hatten Kontakt zu Mitgliedern von Young Austria in England gehabt. Wir trennten uns von den deutschen Genossen in Bezug auf die Arbeit nach außen und gründeten mit Hilfe von in Australien lebenden jungen Österreichern und Österreicherinnen ‚Young Austria in Australia[76] Auer in Makomaski aao.‘.“
Wie beim Vorbild in England debattierte man in diesen Gruppen über die Zukunft in der Heimat nach den Nazis und pflegte österreichische Kultur. Man hielt Kontakt zu australischen Gewerkschaften und religiösen Gruppen. Dies geschah, obwohl politische Betätigung innerhalb der Armee eigentlich verboten war. Man konnte dem aber ausweichen und sich u.a. in Privatwohnungen treffen.
„Der Journalismus, der sich für konkrete Ziele einsetzt, begann für mich in Australien: Im Militärzelt auf dem Strohsack hockend, bei 50 Grad im Schatten, eine ausgeleierte Schreibmaschine auf den Knien, eine kühle Argumentation heruntertippend. (…) Das war Knee-Top-Publishing[77] Georg Auer „Down under – ganz unten drunter …“ in Medien & Zeit Nr. 1/88 Seite 24. Abgerufen am 20.7.2026.“, spielte Georg Auer auf das spätere Desktop-Publishing an.
Georg schrieb Artikel für die Monatsschrift der Exilorganisation „Friends of Democratic Austria[78] Maria Bianca Fanta, Kurzbiografie G. Auer in „Die Arbeiter der Feder. Journalistinnen und Journalisten der kommunistischen Parteilzeitung ‚Österreichische Volksstimme‘ und die Zäsuren ihrer Lebensgeschichten (1945 – 1956); Dissertation, Seite 131. Abgerufen am 10.3.2026.“.
„Jeder Artikel wird immer durchgelesen von einem Kommunisten, einem Sozialisten und einem konservativen Katholiken, einem tiefgläubigen Katholiken und einem tiefgläubigen Juden. (…) Das war für mich eine gute Schule für die ‚Volksstimme‘“.
Unter anderem wurde einer der Radioaufrufe von Thomas Mann übersetzt und gedruckt. Für Radiosender wurden gegen Bezahlung deutsche Sender abgehört und die Texte ins Englische übersetzt. „Ich habe damals keine journalistischen Ambitionen gehabt“, hob Georg Auer hervor. Ihm ging es darum, „politische Meinungen[79] Manfred Bobrowsky, Video. unter die Leut‘ zu bringen.“ Georg Auer wurde 1943 in Australien Mitglied der KPÖ.
Nach Ende des Armeedienstes trennten sich die Wege von Georg und seinem Cousin Emil. Emil war schon im Juni 1945 entlassen worden, hatte im gleichen Jahr eine Australierin geheiratet und wurde 1947 eingebürgert. Seine Ehe mit Hazel Doreen wurde 1952 geschieden. 1955 ging Emil nach New York, wo seine Eltern Hugo und Hilda lebten.
Wieder in England
Georg entschied sich für die Rückkehr nach England. Sofort nach dem Ende seines Armeedienstes am 10. Januar 1946 trat er am 23. Februar diese Reise auf der Athlone Castle an. Unter den Reisenden waren der später sehr erfolgreiche Leichtathletik-Trainer Franz Stampfl aus Wien, die Kommunisten aus Berlin Heinrich Eggebrecht („Piepel“), Albert Kleeberg, Paul Friedländer („Bonzo“), Klaus Wilzcynski und andere Ex-Internierte. Alle hatten in der 8th Employment Company gedient.
Für die KPÖ als Redakteur in Wien
Nach der Rückkehr arbeitete Georg in Wien kurzzeitig bei der Austria Presseagentur APA und einer Regionalzeitung der KPÖ. Im Januar 1947 wurde er Redakteur in der Lokalredaktion der nationalen KPÖ-Zeitung „Volksstimme“. Er bekam einen Tip über den Aufenthaltsort des heimlich aus Argentinien zurückgekehrten ehemaligen Heimwehrführers Ernst Rüdiger Starhemberg. Georg Auer hatte scharfe Kritik an dem austrofaschistischen Veteranen und nachgewiesenen Feind der Demokratie geübt. Ebenso wie Sozialdemokraten und anderen hatte er dessen sofortige Ausreise aus Österreich gefordert wurde. Auer fuhr am 15. März 1956 nach Schruns und fotografierte den Austrofaschisten auf einem Spaziergang. Als dieser das bemerkte, ging er auf Georg los, seinen Spazierstock als Knüppel benutzend, starb dabei an einer Herzattacke.
„Als ich Starhemberg so fotografierte, stürzte er schimpfend, ‚Kommunistenschwein‘ rufend mit erhobenem Stock auf mich zu, brach aber dabei tot zusammen“, erinnerte sich Georg Auer[80] „Freie Österreichische Jugend“ aao..
Die „Volksstimme“ veröffentlichte das Foto der Familie Auer einige Tage vor Georgs Haftantritt. Bildquelle: Archiv Martin Auer.
E.R. von Starhemberg
Ernst Rüdiger von Starhemberg[81] Wikipedia über Starhemberg. Abgerufen am 8.7.2026. (*1899) hatte 1923 an Hitlers Marsch auf die Feldherrnhalle teilgenommen. Er wurde 1930 Bundesführer des paramilitärischen „Heimatschutzes“. Während des Austrofaschismus war er Vizekanzler, ab 1934 zusätzlich Sicherheitsminister.
Starhemberg in der Uniform des „Heimatschutzes“. Quelle: Wikipedia.
Das Zusammengehen seiner Paramilitärs mit den Nazis scheiterte, weil Hitler ihm die Führung[82] Anna Maria Sigmund „Für oder gegen die Nazis“, Austria Forum online. Abgerufen am 15.5.2026. nicht überlassen wollte. Starhemberg verließ die Regierung und Österreich, als beide Länder 1936 Verhandlungen aufnahmen. Nun nannte er sich einen Nazigegner. Nach dem „Anschluss“ 1938 behauptete er hingegen, er sei schon immer für ein Bündnis mit den Nazis gewesen.
1940 wurde er gegenteilig aktiv und unterstützte er deGaulle und dessen Forces françaises libres[83] Wikipedia über die Forces francaises libres. Angerufen am 20.6.2026.. Dort stieg er schon 1941 aus Protest gegen das Bündnis der Alliierten mit der Sowjetunion aus und setzte sich nach Argentinien ab. Nach dem Krieg erreichte er in jahrelangem Rechtsstreit 1954 die Restitution seiner von den Nazis enteigneten Güter und die Erteilung der Staatsbürgerschaft. Er kehrte heimlich nach Österreich zurück.
In anderer Sache wurde Georg Auer 1958 wegen einer angeblichen „Ehrenbeleidigung“ verurteilt. Er war zu der Zeit „Sitzredakteur[84] Wikipedia bezeichnet den Status des Sitzredakteurs als Folge der Pressezensur der Weimarer Republik. Wikipedia zitiert dazu aus B Travens Roman „Die weiße Rose“ von 1929: „Die sozialistischen und kommunistischen Zeitungen haben zuweilen sogenannte Sitz-Redakteure, die alle Strafen, die den Zeitungen auferlegt werden, in irgendeiner Form abzubrummen haben, damit die wertvolleren Arbeitskräfte der Zeitung erhalten bleiben.“ Das entspricht auch dem österreichischen Nachkriegs-Presserecht. Abgerufen am 7.10.2026.“ und mußte „eine Monat Arrest, verschärft durch ein hartes Lager wöchentlich“ wegen des Artikels eines Kollegen der „Volksstimme“ absitzen. Das als tendenziös und politisch im Sinne des Kalten Krieges geprägte, öffentlich kritisch diskutierte, Urteil sollte der „Volksstimme“ und den Kommunisten schaden. Selbst der Verband der Zeitungsverlage hatte dieses Urteil als Bedrohung der Pressefreiheit bezeichnet. Auers Redaktion nannte es „ein offenes Eingreifen in den politischen Kampf“.
Möglicherweise entsprach das Urteil auch einem Wunsch aus der Regierung. Der damalige Bundeskanzler Julius Raab[85] Wikipedia über Julius Raab. Abgerufen am 8.7.2026. (1891 – 1964) und weitere Minister der Österreichischen Volkspartei[86] Wikipedia über die ÖVP, abgerufen am 16.7.2026. hatten als Funktionäre von Starhembergs Paramilitärs ihre ersten politischen Schritte mit der Zerstörung der österreichischen Demokratie getan. Die damals von Raab geführten „Ostmärkischen Sturmscharen“ hatten zudem die „selbsttätige Ausschaltung der Vorherrschaft des Judentums“ auf ihre Fahnen geschrieben, wovon sie freilich später nichts mehr wissen wollten. Raab hatte u.a. ehemalige Nazis zu Ministern gemacht. Wollte man nun Kritiker zum Verstummen bringen?
Georg Auer war 23 Jahre Redakteur der „Volksstimme“. Mit Ernst Fettner leitete er langjährig die sozialpolitische Redaktion. Er gründete und verantwortete das Motor-Ressort. 1970 verließ er die KPÖ „wegen der innerparteilichen Differenzen[87] Auer in Makomaski aao.“ über die Zerschlagung des „Prager Frühlings“ und schied zwangsläufig aus der Redaktion der Parteizeitung aus.
„Schurl“, die „Edelfeder“
Er arbeitete zunächst als Taxifahrer und freier Journalist, dann als Motor-Journalist für die „Wochenpresse“ und Fachzeitschriften. Für die „Auto Information“ war „Georg ‚Schurl‘ Auer als Edelfeder, wer seinen wöchentlichen ‚Spectator‘ noch in Erinnerung hat“, schrieb die Zeitschrift „Auto & Wirtschaft[88] „Auto & Wirtschaft“ online am 15.3.2022. bgerufen am 8.6.2026.“. Auch als Rentner war Georg Auer in diesem Fachgebiet aktiv. Er war wohl „der älteste aktive Motorjournalist der Welt[89] Martin Auer, „Erinnerungen …“, aao.“, vermutete sein Sohn Martin.
Georg hatte Gertrude[90] Benedikt Narodoslawsky „Als das Rote Wien die Arbeiterfamilie Sokopp aus dem Elend holte“. In „Der Standard“ online am 16.4.2025. Abgerufen am 15.7.2026. (geb. Sokopp) geheiratet, die aus einer Wiener Arbeiterfamilie stammte. Ihr Vater Jakob[91] Bericht in „Die Arbeit“ vom 9.1.1886, Seite 3, und Nachruf der „Arbeiter-Zeitung“ am 7.10.1925, Seite 4. Abgerufen am 20.7.2026. (1855 – 1925) war Mitgründer der ersten Gewerkschaft der Metalldrucker und deren Obmann bis 1896. Gertrudes Schwester Oswalda[92] Kurzbiografie Oswalda Tonka in Friedensatlas Online. Abgerufen am 14.7.2026. (verh. Tonka, 1923 – 1999) kämpfte im Widerstand und mit slowenischen Partisanen gegen die Nazis.
„Marx und Engels können für die falschen Interpreten[93] Martin Auer, „Erinnerungen …“, aao. ihrer richtigen Erkenntnisse ebenso wenig, wie Christus für die seinen. Das macht diese Lehren nicht weniger richtig.“
„Nachdem ich nichts können hab’, bin ich Journalist geworden.“ Und: „Wenn ich zum arbeiten aufhör’, fall ich wahrscheinlich um“, bilanzierte Georg Auer[94] Michael Völker „Ich arbeite, bis ich umfall“. Der Standard am 2.5.2001. Abgerufen am 17.6.2026. sein Leben.
Georg Auer starb am 22. Oktober 2004 in Wien. Er hinterließ die Söhne Martin[95] Martin Auer, „Erinnerungen …“, aao. (*1951) und Michael und die Tochter Marianne.
Aus einem Nachruf
„‚Schurli‘, wie er auch genannt wurde, schrieb für renommierte Medien wie den PS-Report, Automotive News und die Schweizer Automobil Revue. Bekanntheit erlangte der allseits respektierte Kenner[96] Neue Reifenzeitung online am 26.10.2004. Abgerufen am 20.7.2026. der Automobilbranche durch seine – mit markant tiefer Stimme vorgetragenen – „drei Fragen“ im Rahmen von Pressekonferenzen: „Ich habe noch eine Frage: erstens …, zweitens …, drittens …“
Arthur West: „… die Erde vielleicht
etwas weniger höllisch“
Arthur wurde als Arthur Rosenthal[97] Karteikarten Arthur Rosenthal des Home Office via ancestry, Personalakten Arthur Rosenthal der National Archives of Australia (NAA_ItemNumber8618173, NAA_ItemNumber9906992). Abgerufen am 3.6.2026. am 24. August 1922 in eine jüdische Wiener Familie geboren. Seine Eltern waren Wilhelm, genannt Willi, Rosenthal (1895 – 1981) und Elisabeth Rausnitz (1896 – 1983).
Die Familie
Gleich nach der Heirat 1920 waren Arthurs Eltern nach Palästina gegangen. Willi – nun Uri Nadav[98] Angaben von Arthur Rosenthal in Australien in NAA_ItemNumber9906992; Stammbaum Wilhelm Uri Rosenthal (Nadav) via ancestry.de; Uri Nadav in der Enzyklopedia of the Founders and Builders of Israel. Abgerufen am 15.7.2026.– war dort, wie zuvor in Wien, in der zionistischen Sportbewegung aktiv. Während des Krieges war er Offizier des Royal Army Service Corps. In Palästina wurde er als führendes Mitglied der Makkabi-Bewegung bekannt.
Elisabeth erkrankte während der Schwangerschaft mit Arthur an Typhus und ging der besseren medizinischen Versorgung wegen zurück nach Wien. Sie blieb dort an Arthurs Seite, bis sie ihn 1938 in Freiheit wusste. Danach ging sie zu Familienangehörigen nach Zagreb, wo sie sich während des Krieges den jugoslawischen Partisanen[99] Wikipedia über Arthur West. Abgerufen am 20.6.2026. anschloss. Ein Bruder wurde dort von Ustascha-Faschisten ermordet. Nach dem Sieg in Jugoslawien schloß sich Elisabeth der britischen Armee an, berichtet ihr Enkel Paul West. Nach dem Krieg zog Elisabeth wieder nach Wien. Sie führte eine Scheinehe mit Johann Blühweiss, lebte aber bei ihrem Bruder Rudolf Rausnitz[100] Telefonate mit Hans West aao..
Wie für alle Juden war der Einmarsch der Nazi-Wehrmacht in Österreich („Anschluss“) im März 1938 auch für Arthur eine Zäsur. Der 15jährige wurde vom Schulunterricht ausgeschlossen. Der nächste Eckpunkt seiner Biografie ist die durch eine Hilfsorganisation vermittelte Flucht nach Großbritannien. „Ich darf in England einreisen, weil jemand eine Auswahlhaftung – also diese Garantie – übernommen hatte.“ Arthurs Äußerung[101] Manfred Bobrowsky, Video „Arthur West. Literat, Journalist“ in der Reihe „Projekt Oral Video History“ der Uni Wien. Abgerufen am 15.6.2026. Telefonat mit Hans West am 27.7.2026. verweist auf die Flucht mit einem Kindertransport. Daran hatte er gemeinsam mit seiner Cousine Edith Nachod[102] Mail von Paul West vom 2.10.2026. teilnehmen können. Die britische Regierung verlangte von den Gastgebern der jüdischen Kinder aus Deutschland und Österreich eine Bürgschaft von 50 £[103] Wikipedia über Kindertransporte aao.. Nach heutigem Wert entspricht das etwa 1.500 Euro bzw. 2.460 AUD, jedoch war die Kaufkraft damals wesentlich höher.
Elisabeth hatte sich noch vor Kriegsende um Auskunft über das Schicksal von Arthur und Edith bemüht. Ein Brief[104] Brief der Metropolitan Police vom März 1945. Paul West Archiv. informierte sie darüber, dass beide inzwischen geheiratet hatten und dass Arthur den Namen seiner Frau angenommen hatte und im der Geheimdienstabteilung des 3. Battalions des Monmouth Regiment dient.
In London arbeitete Arthur als Hilfsarbeiter in einer Schuhfabrik unter schrecklichen Bedingungen; er konnte sich nicht jeden Tag[105] Bobrowsky, Video aao. ein Essen leisten. In Dokumenten des britischen Home Office wurde „Trainee, Handbag making“ (Auszubildender, Herstellung von Handtaschen) als berufliche Tätigkeit vermerkt.
Am 3. Oktober 1939 stufte ihn ein Tribunal in die Kategorie „B“[106] Karteikarten Arthur Rosenthal aao. ein. Er selbst führte das darauf zurück, dass sein Reisepass keinen „Judenstempel“ hatte, weil das Dokument vor der entsprechenden Nazi-Verordnung[107] Bobrowsky, Video aao. ausgestellt wurde. So stellte Großbritannien Arthur und Tausende von den Nazis verfolgte Menschen unter einen pauschalen Nazi-Verdacht! Churchill hatte im Juni 1940 die massenhafte Internierung von Flüchtlingen angeordnet, die seit Kriegsbeginn als „feindliche Ausländer“ galten. Mit den Regierungen Kanadas und Australiens wurde die Aufnahme tausender Zivilinternierter und Kriegsgefangener vereinbart.
Karteikarte des Home Office für den jüdischen Flüchtling Arthur Rosenthal: Als Nazi verdächtigt. Via Ancestry.
Internierung und Abschiebung
Mit der Brandmarkung als verdächtige Nazi-Parteigänger waren Arthur Rosenthal und seine Leidensgenossen besonders „geeignet“ für die Internierung und die folgende Deportation nach Übersee. Er wurde am 16. Mai 1940 am Arbeitsplatz verhaftet; das war kurz vor der Auszahlung des Wochenlohns, so dass er kaum Bargeld[108] Ebenda. bei sich hatte. Interniert wurde er im Lager Kempton Park bei London. Dieses Lager auf einer Pferderennbahn mit Eisenbahnanschluss war aufgrund der völlig unzureichenden Ausstattung „für viele der dort vorübergehend untergebrachten Internierten nicht geeignet[109] Protokoll des Unterhauses vom 20.8.1940, Rede von Anthony Eden. Im weiteren Verlauf wurde u.a. die Rückholung von „Deportierten“ aus Kanada thematisiert; die Dunera war noch unterwegs. Abgerufen am 10.5.2026.“. Das musste der britische Außenminister Anthony Eden[110] Wikipedia über Anthony Eden, abgerufen am 10.5.2026. (1897 – 1977) am 20. August 1940 im Unterhaus einräumen. Die sehr für die Internierten engagierte parteilose Abgeordnete Eleanor Rathbone[111] Wikipedia über Eleanor Rathbone, abgerufen am 10.9.2025. (1872 – 1946) fragte Eden[112] Protokoll des Unterhauses aao., Rede von Eleanor Rathbone.:
„Ist dem Herrn Abgeordneten nicht bekannt, dass es dort weder ein Bett noch eine Schlafmatte oder einen Stuhl gab, sodass die kranken und älteren Internierten auf dem blanken Boden schlafen mussten; und warum wurde die Einrichtung als bereit gemeldet, obwohl sie in keiner Weise bereit war?“
Diese Frage konnte der Minister nicht beantworten.
Die Versenkung des zweiten Internierungs-Schiffes Arandora Star am 2. Juli 1940 und die später bekannt gewordenen skandalösen Ereignissen auf der Dunera verstärkten die öffentliche und parlamentarische Kritik an den massenhaften Internierungen. Dadurch wurde eine Änderung der Regierungspolitik im Umgang mit Flüchtlingen erzwungen. Die „White pages[113] Vgl. Rachel Pistol fasst in „Routes out of internment – a handy reference guide to White Paper categories“ (7/2020) 23 Kriterien für die Freilassung zusammen, die zwischen Juli und 1940 eingeführt wurden. Abgerufen am 5.7.2026.“, ein mehrfach erweiterter Kriterienkatalog, definierten ab Juli 1940 Grundlagen für die Freilassung von Internierten, egal, ob sie in England oder Übersee gefangen waren. Für die nach Übersee deportierten Internierten kam das zu spät.
Streit im Unterhaus: Eleanor Rathbone an der Seite der Internierten, Außenminister Anthony Eden an der seines politischen Ziehvaters Churchill. Quellen: Wikipedia.
Am 10. Juli 1940 wurde Arthur mit dem fünften und letzten Transport auf der HMT Dunera nach Australien deportiert. Sein Name erscheint wie der von Heinz Altschul auf der Liste 12[114] „Embarkation List No.12“ in NAA_ItemNumber657104. der Nominal Roll. Die Dunera traf mit 2.500 Gefangenen an Bord erst Anfang September 1940 in Australien ein. Arthur Rosenthal wurde (wie Heinz Altschul und Georg Auer) im Internierungslager Nr. 8[115] Personalakte Arthur Rosenthal, NAA_ItemNumber9906992), aao. bei Hay (New South Wales) untergebracht.
Australien, wie es der ebenfalls aus Wien stammende Dunera-.Künstler Emil Wittenberg am 5. Dezember 1940 im Lager Hay sah. Mit freundlicher Genehmigung von Martin F. Burman.
Arthurs Sohn Hans erinnerte sich an eine der wenigen Erzählungen seines Vaters über Australien. In Hay wurde eine Blinddarm-Operation stümperhaft ausgeführt; die Wunde musste mit 17 Stichen[116] Telefonate aao. genäht werden. Arthurs Interniertenakte[117] Telefonate aao. bestätigte den Aufenthalt im Armeekrankenhaus und anschließend im Bezirkskrankenhaus von Hay vom 20. Januar bis 5. Februar 1941.
Kurz darauf wurden die Insassen in Lager nahe dem klimatisch angenehmeren Tatura (Victoria) verlegt. Arthur West arbeitete als Krankenpfleger und beteiligte sich „erstmals in seinem Leben“ an einer Wandzeitung. Sie wurde in der ersten Zeit handschriftlich gestaltet und berichtete aus dem Alltag und über Veranstaltungen im Lager. Dort wurde auch Stellung zum Status der angeblich naziverdächtigen Internierten genommen. Internierte Schauspieler lasen erstmals aus seinen Gedichten.
Freilassung und Rückreise nach England
Arthur West in britischer Uniform: Foto: Archiv Paul West.
Der genannte Kriterienkatalog konnte in Australien erst angewendet werden, nachdem Major Julian Layton als Verbindungsmann der britischen Regierung im März 1941 eintraf. Er warb zunächst Internierte für den Dienst in unbewaffneten britischen Pioniereinheiten oder andere kriegswichtige Aufgaben in England an. Bis Ende 1941 konnte er so 747 Männer nach England transportieren lassen.
Das Home Office hatte Arthurs Freilassung und Rückführung nach England zwar am 17. Mai 1941 angeordnet. Um das zu legalisieren wurde seine Einstufung auf die Kategorie „C“ als Flüchtling[118] Karteikarten Arthur Rosenthal aao. geändert. Weil die xenophobische Regierung Australiens jegliche Freilassung auf ihrem Territorium verweigerte führte einzig der gefahrvolle Seeweg nach England in die ersehnte Freiheit. Bis das möglich wurde, musste Arthur weitere fünf Monate hinter Stacheldraht verbringen.
Die Stirling Castle hatte in Sydney am 13. Oktober 1941 abgelegt und traf am 28. November 1941 in Liverpool ein. Laut der Passagierliste war es mit 368 Männern der größte Rückführungstransport von deutschen und österreichischen Internierten aus Australien. Arthur Rosenthal gehörte zu einer Gruppe von 80 Internierten, die die Reise laut Passagierliste[119] Passagierliste der Reise via ancestry, abgerufen am 25.4.2026. mit „besonderer Genehmigung des Home Office“ antraten. 298 Internierte wurden mit dem Vermerk geführt, „kehren zurück, um dem Pioneer Corps beizutreten“.
Bei „Young Austria“ und als britischer Soldat
Arthur Rosenthal wurde bei der Anlandung freigelassen und blieb in England. Er arbeitete als Zuschneider in einer Gürtelfabrik und als Dreher. Er engagierte sich politisch mit Landsleuten in der Gruppe „Young Austria“. Ihr wichtigstes Thema war die Zukunft der Heimat nach der Zerschlagung des Faschismus. Im britischen Exil wurde Arthur 1942 Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes Österreichs. 1943 heiratete er die Emigrantin und Genossin Edith West (*14. April 1919) aus Wien, die er bei „Young Austria“ kennengelernt hatte. Er nahm ihren Familiennamen an. Ihr Freund, der Schriftsteller Erich Fried, war einer der Trauzeugen.
„Im Sommer 1943 haben wir in einer ziemlich spektakulären Aktion eine lange Schlange vor einem Rekrutierungsbüro in London gebildet und uns für die Armee gemeldet. Die meisten von uns wurden genommen“, erinnerte sich Arthur[120] Bobrowsky, Video aao.. 1944 nahm der Soldat West an der Landung der Alliierten in der Normandie teil und kämpfte als Panzergrenadier mit dem 2nd Btn. Monmouthshire Regiment bis zur Überquerung der Aller[121] Wikipedia über die Einheit, abgerufen am 30.6.2026. am 11. April 1945. U.a. fungierte er als Herausgeber der Zeitung seiner Einheit „Daily Dragon“. Nach Kriegsende war die Einheit bei den „Central Mediterranean Forces“ in Italien stationiert. Arthur West nahm mit dem Einakter „Why the Bells of St.Mary’s Rang“ (dt. Titel: Warum die Glocken von St.Johannis läuteten) an einem Dramenwettbewerb der Alliierten Armeen teil. Ausgezeichnet mit dem ersten Preis[122] Vgl. Beschreibung zum Foto „C.M.F. Arts Festival: Rome 1946“, Imperial War Museum NA 26726. Abgerufen am 12.6.2026. wurde das Stück im März 1946 in Rom aufgeführt.
„Why the Bells of St.Mary’s Rang“ auf der Bühne in Rom. Foto: Imperial War Museum Nr. NA26726.
Rückkehr nach Wien
1946 kehrten Edith und Arthur mit ihrem ersten Sohn Hans (*1946) in Arthurs Geburtsstadt Wien zurück. 1948 wurde der zweite Sohn Paul geboren.
Da die Nazis seinen Schulabschluss verhindert hatten und eine geordnete Berufsausbildung im Exil nicht möglich gewesen war, war die Beziehung zur Sprache Arthurs einzige Referenz. Die KPÖ stellte ihn bis 1958 in ihrem Wiener Globus-Verlag als Lektor ein, anschließend war er Korrektor in der Parteidruckerei. Zwischen etwa 1958 und 1964 leitete er auch eine Gruppe der mit der KPÖ-Kinderorganisation „Junge Garde“, in der auch Paul und Hans organisiert waren. Von 1967 bis zur Pensionierung 1982 war er Kulturredakteur der Parteizeitung „Volksstimme“ und ab 1969 Leiter dieses Ressorts. Im Gegensatz zu den Dunera Boys und Redaktionskollegen Heinz Altschul und Georg Auer gehörte Arthur 1968 zu den Parteimitgliedern, die die Niederschlagung des „Prager Frühlings“ befürworteten.
Arthur West sprach am 12.März 1988 in Wien beim Protest gegen den ehemaligen UN-Generalsekretär und österreichischen Präsidenten Kurt Waldheim, der sich wegen des Verschweigens seiner SA-Mitgliedschaft unter Täter-Verdacht geraten war. Foto: KPÖ-Archiv.
Übrigens …
… nannten 20 Dunera Boys „Journalist[123] Vgl. Paul R. Bartrop, Gabrielle Eisen "The Dunera Affair. A Documentary Resource Book", Liste von Berufen der in Australien internierten.“, weitere 12 „Fotograf“ als Beruf. Viele von ihnen – und andere – wurden nach der Rückkehr als Journalisten tätig: In der DDR war Werner Goldstein (1923 – 2006) Redakteur der SED-Zeitung „Neues Deutschland“, Klaus Wilczynski (1920 – 2008) war bei der regionalen „Berliner Zeitung“ der SED. Hans Jacobus (1923 – 2003) wurde durch „Das Professoren-Kollegium tagt“ landesweit bekannt; in der Radio- und TV-Sendung wurden von 1963 bis 1990 Publikumsfragen beantwortet.
In Westberlin siedelte sich Alfred Joachim Fischer (1909 – 1992) an. Im Gegensatz zu den DDR-Berufskollegen arbeitete er als Freiberufler u.a. für das US-Propagandaradio RIAS. Er war Israel zugewandt und als Antikommunist bekannt.
Beim jährlichen Fest der „Volksstimme“ im Wiener Prater war Arthur einer der Initiatoren und Organisatoren des „Linken Worts[124] Wikipedia über das „Linke Wort“, abgerufen am 10.6.2026.“. Diese Veranstaltung ist seit 1975 eine Plattform für Lesungen und Debatten um die Entwicklung der österreichischen Literatur. Prominente Autoren wie Helmut Zenker[125] Wikipedia über Helmut Zenker, der deutschen TV-Zuschauern als Autor der satirischen Krimiserie „Kottan ermittelt“ bekannt wurde. Abgerufen am am 10.6.2026. (1949 – 2003), Peter Turrini[126] Wikipedia über Peter Turrini, dessen sechsteilige „Alpensaga“ 1976 im ZDF zu sehen war. Abgerufen am 10.6.2026. und die Literatur-Nobelpreisträgerin von 2004 Elfriede Jelinek[127] Wikipedia über Elfriede Jelinek, abgerufen am 10.6.2026. beteiligten sich und wurden Freunde von Arthur und Edith.
Arthur West
„gehörte nicht nur lange dem Politbüro der KP an, sondern verfasste darüber hinaus bemerkenswerte Sprachdichtung und machte aus dem Feuilleton des parteieignen Pressorgans Die Volksstimme einen annähernd liberalen Kulturteil“,
betonte ein Autor der Zeitung Der Standard[128] Ronald Pohl „Was ist vom Kommunismus ‚made in Austria‘ zu halten?“ in Der Standard online, 2.10.2021..
An einen kulturpolitischen Aspekt[129] Gerald Grassl, „Zwei Leben für die Literatur“ in Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft 3/2022, Seite 24f. Abgerufen am 10.6.2026. der Redaktionsarbeit von Arthur West erinnert auch der Schriftsteller Gerald Grassl:
„Unter seiner Ägide war die Volksstimme die erste Tageszeitung in Österreich, und sie blieb für viele Jahre auch die einzige, die über jedes Kinder- und Jugendtheaterereignis und jeden neuen Kinder- und Jugendfilm ausführlich berichtete.“
Neben seiner Tätigkeit als Redakteur wurde er in Österreich für seine Dramen, Lyrik, Prosa, Essays, kulturpolitische und politische Arbeiten und Nachdichtungen bekannt. Erste eigene Werke hatte er bereits 1943 in einem Exilverlag in England veröffentlicht. 1961 gewann sein Schauspiel „Frühling[130] Selma Steinmetz „Arthur Wests ‚Frühling‘ in „Der neue Mahnruf“ Nr. 6/1961, Seite 5 via Anno. Abgerufen am 20.7.2026.“ über den Widerstand in Österreich den Ersten Preis des Wiener Theaters der Courage. Das Stück wurde im gleichen Jahr bei den Wiener Festwochen aufgeführt.
Arthur war in der in der Jura Soyfer[131] Wikipedia über den ermordeten Schriftsteller und die Jura Soyfer-Gesellschaft.-Gesellschaft aktiv, die das Andenken des im Alter von 26 Jahren im KZ Buchenwald an Typhus gestorbenen Schriftstellers pflegt.
Späte offizielle Anerkennung
Arthur West wurde vom österreichischen Staat erst spät geehrt: 1986 wurde ihm der Titel Professor verliehen. Das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erhielt er 1995.
Auch in Gransee am Rande von Berlin hinterließ Arthur West eine Spur: Den Anstoß zur Erweiterung des Geschäftsmodells der Edition Schwarzdruck auf das „normale“ Verlagsgeschäft „gab Arthur West, der sich beklagte, dass bei Schwarzdruck erscheinende ‚Pressendrucke‘ zwar sehr schön, aber eben auch nicht billig und so langwierig in der Herstellung wären“, erinnert sich der Verlagsgründer Marc Berger. Seit 1997 erschienen zahlreiche Werke von Arthur West in der Edition Schwarzdruck.
Arthur West verstarb am 16. August 2000 in Wien und wurde unter großer Anteilnahme beigesetzt. Er hinterließ seine Frau Edith und die Söhne Hans und Paul.
Den Himmel kann ich nicht
himmlischer machen;
jedoch die Erde vielleicht
etwas weniger höllisch.
Die Schwarzdruck Edition pflegt den literarischen Nachlass von Arthur West.
Über Edith West
Arthurs Frau Edith West[132] Nachruf der KPÖ Wien für Edith West vom 8.8.2022, abgerufen am 10.6.2026. hatte den diktatorischen „Austrofaschismus“ („Ständestaat“) als Jugendliche in den Reihen des illegalen Kommunistischen Jugendverbandes bekämpft. Sie war Kindergärtnerin und konnte mit der Mutter und den Geschwistern nach England flüchten, wo sie als Hausgehilfin, Näherin und Dreherin Geld verdiente. Zurück in Wien arbeitete sie u.a. als Sekretärin bei einem Mineralölhandel. Sie pflegte den 1957 schwer krank aus dem Exil zurückgekehrten Schriftsteller Theodor Kramer bis zu seinem Tod 1958. Arthur und Edith ermöglichten ihm den Zugang zu Lesungen[133] Gerald Grassl aao.. Edith verstarb am 7. August 2022 im Alter von 104 Jahren.
Edith West. Foto: KPÖ-Archiv.
Videos mit den drei Journalisten
Heinz Altschul
Georg Auer
Arthur West
Die drei Journalisten beantworteten die fragen von Wiener Studenten über ihr Leben: Heinz Altschul, Georg Auer und Arthur West (v.l.n.r.). Die Videos entstanden im Rahmen des von 1988 bis 1996 geführten Projektes „Oral Video History“ am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien unter Leitung von Ass.-Prof. Dr. Manfred Bobrowsky. Anclicken des Screenshots öffnet das jeweilige Video in einem neuen Fenster. Screenshots: dunera.de.
Hinweise: dunera.de dankt den Kindern der drei Journalisten Susanne Altschul, Martin Auer, Paul und Hans West für die Unterstützung bei den Recherchen und für die Überlassung von Fotos und Dokumenten sowie Manfred Murgauer (KPÖ-Archiv) für die Überlassung von Urheberrechten.
Fußnoten
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- [1]↑Wikipedia über Austrofaschismus und Ständestaat. Abgerufen am 10.4.2026.
- [2]↑Wikipedia über den „Anschluss“, abgerufen am 20.4.2025.
- [3]↑Maria Fanta, „Geflüchtet, heimgekehrt, erschüttert“ auf science orf.at. Abgerufen am 15.3.2026.
- [4]↑Ebenda.
- [5]↑Wikipedia über die „Volksstimme“. Abgerufen am 15.3.2026.
- [6]↑Wikipedia über das Volksstimmefest. Abgerufen am 15.3.2026.
- [7]↑„Ein österreichischer Publizist im Widerstand“ in „Erinnerungen“ Band 5 Hrg. Von Renate S. Meissner für den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus“, Wien 2018, ISBN 978-3-9504794-8-5, Seite 274. Der dort abgedruckte Text ist eine Bearbeitung des gleichnamigen Interviews der Reihe „Projekt Oral Video History“ von Klaus Hübner und Lukas Ressl, Uni Wien 1992. Abgerufen am 16.6.2026.
- [8]↑Ebenda, Seite 275.
- [9]↑Ebenda, Seiten 275/276.
- [10]↑Saskia Etschmaier, Carina Kainz „Es hing immer an einem seidenen Faden“. ORF-Interview mit Susanne Altschul, 23.11.2018. Die Datei enthält eine Textabschrift und Videos des Gespräches. Abgerufen am 22.3.2026.
- [11]↑„Erinnerungen“ aao., Seite 274.
- [12]↑Etschmaier, Kainz. aao.
- [13]↑Home Office (Innenministerium) Karteikarten Heinz Altschul. Via Ancestry. Abgerufen am 17.4.2025.
- [14]↑„Erinnerungen“ aao., Seite 278.
- [15]↑Das Kürzel „S of S“ steht für „Secretary of State“, also ein nicht näher genanntes britischen Ministerium.
- [16]↑„Erinnerungen“ aao., Seite 278.
- [17]↑Home Office, Karteikarten H. Altschul aao.
- [18]↑Wikipedia über britische Internierungslager im 2. Weltkrieg. Abgerufen am 20.2.2024.
- [19]↑Personalakten Heinz Altschul, National Archives of Australia (NAA), NAA_ItemNumber9905538. Abgerufen am 17.4.2025.
- [20]↑Complete Nominal Roll of Internees ex „DUNERA“ „NAA_ItemNumber657104. Abgerufen am 10.8.2023.
- [21]↑„Erinnerungen“ aao., Seite 279.
- [22]↑Ebenda, Seite 280.
- [23]↑Home Office, Karteikarten H. Altschul aao.
- [24]↑Diese Bedingung behinderte die Internierten, weil sie zuerst nach Großbritannien geschafft werden mussten, um ihre Freiheit zu erlangen. Während des Krieges konnte das nur unter Lebensgefahr geschehen. Die australische Menzies-Regierung wollte Internierte dadurch aus dem Land heraushalten.
- [25]↑Carol Bunyan „Ships on which Dunera internees returned tp Britain , 1941 – 1945“ in „Duenra Lives. A Visual History“, Seite 518.
- [26]↑Wikipedia über die Luftangriffe auf Australien, abgerufen am 25.8.2025.
- [27]↑Zit.n. June Factor „Soldiers and Aliens“, Melbourne 2022, ISBN 9780522878585, Seite 34.
- [28]↑Vgl. Aktennotiz des General-Adjudanten für das australische Parlament, 29.3.1946. NAA_ItemNumber4938132, Blatt 28, Ziffer d.
- [29]↑Newsam (Home Office) am 7.7.1942 an den britischen Beauftragten für die Internierten Julian Layton. In NAA_ItemNumber216018.
- [30]↑Militärakte H. Altschul, and Casualty Form, in NAA_ItemNumber6238805.
- [31]↑„Erinnerungen“ aao., Seite 280.
- [32]↑Ebenda, Seite 282.
- [33]↑Georg Auer „Down Under - ganz unten drunter …“ in Medien&Zeit 1/88, Seite 25.. Abgerufen am 10.7.2026.
- [34]↑Militärakte Heinz Altschul, Eintrag vom 29.8.1945.
- [35]↑Etschmaier, Kainz aao.
- [36]↑Home Office, Karteikarten H. Altschul aao.
- [37]↑Passagierliste via ancestry. Abgerufen am 17.3.2024.
- [38]↑„Erinnerungen“ aao., Seite 285.
- [39]↑Wikipedia über den Weltfriedensrat. Abgerufen am 10.3.2024.
- [40]↑„Erinnerungen“ aao., Seite 296.
- [41]↑Wikipedia über die Ostermärsche. Abgerufen am 5.7.2026.
- [42]↑„Erinnerungen“ aao., Seite 297.
- [43]↑M. Massiani „Charlie Chaplin gives Abbe Pierre Part of Communist Sponsored Prize“ in „The Catholic Standard and Times“, Volume 60, Number 4, 22 October 1954. Abgerufen am 15.5.2026.
- [44]↑„Zahlreiche Beteiligung am Wettbewerb des Chaplin-Friedensfonds“, in Österreichische Zeitung vom 18.2.1955, Seite 6, im ANNO-Archiv. Abgerufen am 20.7.20226.
- [45]↑Wikipedia über Bertha von Suttner. Abgerufen am 20.7.2026.
- [46]↑„Noch kein Platz für ein Bertha v. Suttner-Denkmal“, in Österreichische Zeitung vom 20.1.1954, Seite 3, im Anno-Archiv. Abgerufen am 20.7.2026.
- [47]↑„Erinnerungen“ aao., Seite 297.
- [48]↑Ebenda.
- [49]↑Sepp Astner in „Kleine Zeitung“ vom 6.3.1998 (Archiv Familie Altschul).
- [50]↑Wikipedia über das Goldene Ehrenzeichen. Abgerufen am 15.7.2026.
- [51]↑Wikipedia über Robert Haider. Abgerufen am 15.7.2026.
- [52]↑Wikipedia über die Österreichische Legion. Abgerufen am 15.7.2026.
- [53]↑„Der Standard“, Wien, Nachruf auf Heinz Altschul. Abgerufen am 10.5.2026.
- [54]↑Wikipedia: Liste der Träger des Ehrenzeichens. Abgerufen am 15.7.2026.
- [55]↑Wikipedia über Hans Globke, abgerufen am 20.10.2024.
- [56]↑Der Standard“, Wien, Nachruf aao.
- [57]↑Georg Tillner „Nachruf auf Heinz Altschul“. Abgerufen am 10.5.2026.
- [58]↑Etschmaier, Kainz aao.
- [59]↑Wikipedia über Georg Auer. Abgerufen am 12.5.2026.
- [60]↑Martin Auer „Steine der Erinnerung: Robert und Erna Auer“, online. Enthält neben einer ausführlichen Biografie der Eltern auch Briefe an Georg und Emil in Australien und Hugo und Hilde in den USA. Abgerufen am 25.7.2026.
- [61]↑Wikipedia über den Februar-Aufstand. Abgerufen am 20.7.2026.
- [62]↑Georg Auer in Erich Makomaski Hrg. „Freie Österreichische Jugend“, Seite 32/33; auf der Website der KPÖ Steiermark. Abgerufen am 20.6.2026.
- [63]↑Martin Auer, „Erinnerungen an den 13. März 1938“, am 13. März 2026 erschienen in den Blogs der Zeitung „Der Standard“; abgerufen am 15.6.2026.
- [64]↑Wikipedia über die „Reibpartie“. Abgerufen am 10.3.2026.
- [65]↑Das Beispiel einer „wilden Arisierungen“ ist die Geschichte von Sigmund Berger und seiner Apotheke.
- [66]↑Vgl. Wikipedia über die Novemberpogrome 1938. Abgerufen am 10.3.2026.
- [67]↑Wikipedia über die Kindertransporte. Abgerufen am 10.7.2026.
- [68]↑Martin Auer, „Erinnerungen …“ aao.
- [69]↑Martin Auer „Steine der Erinnerung: …“ aao.
- [70]↑Georg Auer, Emil Auer, Karteikarten des Home Office, via ancestry.
- [71]↑Georg Auer, Emil Auer; Personaldaten in den National Archives of Australia (NAA).
- [72]↑Auer in Makomaski aao
- [73]↑Georg Auer, Emil Auer; Daten des NAA aao.
- [74]↑Vgl. Aktennotiz des General-Adjudanten für das australische Parlament, 29. März 1946. National Archives of Australia (NAA), NAA_ItemNumber4938132, Blatt 28, Ziffer d.
- [75]↑Manfred Bobrowsky, Video „Georg Auer spricht über Exiljournalismus“ in der Reihe „Projekt Oral Video History“ der Uni Wien (03‘09‘‘). Abgerufen am 16.6.2026.
- [76]↑Auer in Makomaski aao.
- [77]↑Georg Auer „Down under – ganz unten drunter …“ in Medien & Zeit Nr. 1/88 Seite 24. Abgerufen am 20.7.2026.
- [78]↑Maria Bianca Fanta, Kurzbiografie G. Auer in „Die Arbeiter der Feder. Journalistinnen und Journalisten der kommunistischen Parteilzeitung ‚Österreichische Volksstimme‘ und die Zäsuren ihrer Lebensgeschichten (1945 – 1956); Dissertation, Seite 131. Abgerufen am 10.3.2026.
- [79]↑Manfred Bobrowsky, Video.
- [80]↑„Freie Österreichische Jugend“ aao.
- [81]↑Wikipedia über Starhemberg. Abgerufen am 8.7.2026.
- [82]↑Anna Maria Sigmund „Für oder gegen die Nazis“, Austria Forum online. Abgerufen am 15.5.2026.
- [83]↑Wikipedia über die Forces francaises libres. Angerufen am 20.6.2026.
- [84]↑Wikipedia bezeichnet den Status des Sitzredakteurs als Folge der Pressezensur der Weimarer Republik. Wikipedia zitiert dazu aus B Travens Roman „Die weiße Rose“ von 1929: „Die sozialistischen und kommunistischen Zeitungen haben zuweilen sogenannte Sitz-Redakteure, die alle Strafen, die den Zeitungen auferlegt werden, in irgendeiner Form abzubrummen haben, damit die wertvolleren Arbeitskräfte der Zeitung erhalten bleiben.“ Das entspricht auch dem österreichischen Nachkriegs-Presserecht. Abgerufen am 7.10.2026.
- [85]↑Wikipedia über Julius Raab. Abgerufen am 8.7.2026.
- [86]↑Wikipedia über die ÖVP, abgerufen am 16.7.2026.
- [87]↑Auer in Makomaski aao.
- [88]↑„Auto & Wirtschaft“ online am 15.3.2022. bgerufen am 8.6.2026.
- [89]↑Martin Auer, „Erinnerungen …“, aao.
- [90]↑Benedikt Narodoslawsky „Als das Rote Wien die Arbeiterfamilie Sokopp aus dem Elend holte“. In „Der Standard“ online am 16.4.2025. Abgerufen am 15.7.2026.
- [91]↑Bericht in „Die Arbeit“ vom 9.1.1886, Seite 3, und Nachruf der „Arbeiter-Zeitung“ am 7.10.1925, Seite 4. Abgerufen am 20.7.2026.
- [92]↑Kurzbiografie Oswalda Tonka in Friedensatlas Online. Abgerufen am 14.7.2026.
- [93]↑Martin Auer, „Erinnerungen …“, aao.
- [94]↑Michael Völker „Ich arbeite, bis ich umfall“. Der Standard am 2.5.2001. Abgerufen am 17.6.2026.
- [95]↑Martin Auer, „Erinnerungen …“, aao.
- [96]↑Neue Reifenzeitung online am 26.10.2004. Abgerufen am 20.7.2026.
- [97]↑Karteikarten Arthur Rosenthal des Home Office via ancestry, Personalakten Arthur Rosenthal der National Archives of Australia (NAA_ItemNumber8618173, NAA_ItemNumber9906992). Abgerufen am 3.6.2026.
- [98]↑Angaben von Arthur Rosenthal in Australien in NAA_ItemNumber9906992; Stammbaum Wilhelm Uri Rosenthal (Nadav) via ancestry.de; Uri Nadav in der Enzyklopedia of the Founders and Builders of Israel. Abgerufen am 15.7.2026.
- [99]↑Wikipedia über Arthur West. Abgerufen am 20.6.2026.
- [100]↑Telefonate mit Hans West aao.
- [101]↑Manfred Bobrowsky, Video „Arthur West. Literat, Journalist“ in der Reihe „Projekt Oral Video History“ der Uni Wien. Abgerufen am 15.6.2026. Telefonat mit Hans West am 27.7.2026.
- [102]↑Mail von Paul West vom 2.10.2026.
- [103]↑Wikipedia über Kindertransporte aao.
- [104]↑Brief der Metropolitan Police vom März 1945. Paul West Archiv.
- [105]↑Bobrowsky, Video aao.
- [106]↑Karteikarten Arthur Rosenthal aao.
- [107]↑Bobrowsky, Video aao.
- [108]↑Ebenda.
- [109]↑Protokoll des Unterhauses vom 20.8.1940, Rede von Anthony Eden. Im weiteren Verlauf wurde u.a. die Rückholung von „Deportierten“ aus Kanada thematisiert; die Dunera war noch unterwegs. Abgerufen am 10.5.2026.
- [110]↑Wikipedia über Anthony Eden, abgerufen am 10.5.2026.
- [111]↑Wikipedia über Eleanor Rathbone, abgerufen am 10.9.2025.
- [112]↑Protokoll des Unterhauses aao., Rede von Eleanor Rathbone.
- [113]↑Vgl. Rachel Pistol fasst in „Routes out of internment – a handy reference guide to White Paper categories“ (7/2020) 23 Kriterien für die Freilassung zusammen, die zwischen Juli und 1940 eingeführt wurden. Abgerufen am 5.7.2026.
- [114]↑„Embarkation List No.12“ in NAA_ItemNumber657104.
- [115]↑Personalakte Arthur Rosenthal, NAA_ItemNumber9906992), aao.
- [116]↑Telefonate aao.
- [117]↑Telefonate aao.
- [118]↑Karteikarten Arthur Rosenthal aao.
- [119]↑Passagierliste der Reise via ancestry, abgerufen am 25.4.2026.
- [120]↑Bobrowsky, Video aao.
- [121]↑Wikipedia über die Einheit, abgerufen am 30.6.2026.
- [122]↑Vgl. Beschreibung zum Foto „C.M.F. Arts Festival: Rome 1946“, Imperial War Museum NA 26726. Abgerufen am 12.6.2026.
- [123]↑Vgl. Paul R. Bartrop, Gabrielle Eisen "The Dunera Affair. A Documentary Resource Book", Liste von Berufen der in Australien internierten.
- [124]↑Wikipedia über das „Linke Wort“, abgerufen am 10.6.2026.
- [125]↑Wikipedia über Helmut Zenker, der deutschen TV-Zuschauern als Autor der satirischen Krimiserie „Kottan ermittelt“ bekannt wurde. Abgerufen am am 10.6.2026.
- [126]↑Wikipedia über Peter Turrini, dessen sechsteilige „Alpensaga“ 1976 im ZDF zu sehen war. Abgerufen am 10.6.2026.
- [127]↑Wikipedia über Elfriede Jelinek, abgerufen am 10.6.2026.
- [128]↑Ronald Pohl „Was ist vom Kommunismus ‚made in Austria‘ zu halten?“ in Der Standard online, 2.10.2021.
- [129]↑Gerald Grassl, „Zwei Leben für die Literatur“ in Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft 3/2022, Seite 24f. Abgerufen am 10.6.2026.
- [130]↑Selma Steinmetz „Arthur Wests ‚Frühling‘ in „Der neue Mahnruf“ Nr. 6/1961, Seite 5 via Anno. Abgerufen am 20.7.2026.
- [131]↑Wikipedia über den ermordeten Schriftsteller und die Jura Soyfer-Gesellschaft.
- [132]↑Nachruf der KPÖ Wien für Edith West vom 8.8.2022, abgerufen am 10.6.2026.
- [133]↑Gerald Grassl aao.