Dunera

Sachbücher

Hier informieren wir über Sachbücher in deutscher und englischer Sprache  aus unserer Bibliothek, die sich mit der Reise der Dunera. dem Internierungen in England und Australien und verwandten Themen beschäftigen.

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Neuerscheinung

Ende März 2026 erscheint Andrea Hammels Buch Die schwierige Geschichte der Kindertransporte 1938/39 nach Großbritannien.
Die Kindertransport retteten etwa 10.000 jüdische Kinder vor dem Zugriff der Nazis. Das wird gerne als  „humanitär“ gefeiert. Jedoch koppelte die britische Regierung das mit Bürgschaften und der Finanzierung durch Spenden und Freiwillige. Dabei wurde nicht nach einem Grad der Bedrohung jüdischer Kinder in Deutschland entschieden, sondern nach einem potenziellen Beitrag für England. Nicht nur, dass viele Kinder in ungeeignete Pflegestellen geschickt wurden. Im Juni/Juli 1940 wurde eine bislang unbekannte Zahl aus Schule oder Ausbildung geholt und nach Kanada oder Australien deportiert. Allein an Bord der Dunera waren 325 Jugendliche der Jahrgänge 1922, 1923 und 1924.
Andrea Hammel untersucht die tatsächlichen Ereignisse und Hintergründe und schreibt mit Empathie und Einsicht. Es handelt sich hier um eine übearbeitete deutschsprachige Fassung ihres 2024 in England veröffentlichten Buches.
Prof. Hammel lehrt Deutsch und ist Direktorin des Centre for the Movement of People an der Aberystwyth University (Wales).

Die schwierige Geschichte der Kindertransporte 1938/39 nach Großbritannien. Berlin 2026. 200 Seiten. ISBN 978-3955657904. 22,00 €.

In deutscher Sprache

In mehreren Projekten und Büchern beschäftigte sich der Berliner Musikhistoriker Albrecht Dümling mit dem Exil jüdischer Musiker aus Deutschland und Österreich in Australien. Dieses bisher kaum beachtete Thema belebte Dümling in Die verschwundenen Musiker mit einer umfangreichen Recherche und Erkenntnissen aus zahlreichen Interviews. Der Autor ordnet die Musiker unter den Dunera Boys wie Felix Werder und dessen Vater, den Kantor Boas Bischofswerder, in einen Gesamtzusammenhang deutsch-australischer Musikgeschichte ein. Eigene Kapitel beschäftigen sich mit den Aufführungen und Konzerten in den Internierungslagern und der Show „Sgt. Snow White“ von Soldaten der 8th Employment Company.
Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen zählt Mein Gorilla hat ‘ne Villa im Zoo. Hier erforschte Dümling die Geschichte der Weintraubs Syncopaters und folgt den Spuren dieser im Berlin der 1920er Jahre bekannten Jazzband bis nach Australien.

Die verschwundenen Musiker. Köln 2011. ISBN 978-341206666. Die englische Ausgabe The Vanished Musicians erschien 2016 im Verlag Peter Lang. Mein Gorilla hat ‘ne Villa im Zoo. Regensburg 2022. ISBN 978-3949425-03-5..

Eine interessante Lektüre verspricht der Begleitband zur gleichnamigen Berliner Ausstellung Ausgewiesen! Berlin, 28.10.1938. Umfangreich bebildert und dokumentiert wird über die „Polenaktion“ berichtet, als die Nazis Ende Oktober 1938 tausende polnische Juden nach Polen abschoben. Die Ausrichtung des Bandes auf Berlin hindert nicht daran, Allgemeines und Grundlegendes zur Geschichte der Juden nicht nur in der Hauptstadt während der Nazizeit zu erfahren. Die „Polenaktion“ war letztlich eine Übung für die Organisation der späteren Massendeportationen von Juden in Ghettos, nach Auschwitz und in andere Vernichtungslager.

Alina Bothe/Gertrud Pickhan (hrg.), Ausgewiesen! Berlin, 28.10.1938. Metropol, Berlin 2018. ISBM 978-3-86331-411-8.

In englischer Sprache

The Internment of Aliens ist das allererste Buch über die britische Internierungspolitik. Schon im September 1940 veröffentlichte der Sozialwissenschaftler Francois Lafitte (1913-2002) seine Untersuchung über das gesamte politische Umfeld, in dem die Regierung Churchill 70.000 politisch und rassistisch Verfolgte aus Deutschland und Österreich zu „feindlichen Ausländern“ und der „5. Kolonne Hitlers“ erklärte. Lafitte belegt das u.a. an vielen Beispielen von Nazigegnern, die von den Briten inhaftiert oder deportiert wurden. Das zeigt auch, dass die Tribunale benutzt wurden, um gezielt Nazigegner aus der britischen Öffentlichkeit auszuschließen. „Die britische Regierung hat den falschen Leuten den Krieg erklärt“ und gefährdete mit dieser Beleidigung das Ansehen Großbritanniens, kommentierte Lafitte. Die Missachtung der bürgerlichen Rechte, „machen aus Freunden Feinde“.
„Jeder, der Ungerechtigkeiten begeht oder toleriert, macht Goebbels Arbeit“, dreht Lafitte ein damals offenbar beliebtes Argument gegen jene, die Kritik an der Regierung verhindern wollten. Lafitte recherchierte trotz der Kürze der Zeit seit den Ereignissen bei Behörden, Institutionen usw. Ein interessanter Beleg für eine anhaltende fremdenfeindliche Stimmung in Britannien gegen Ende des ersten Weltkriegsjahres scheint zu sein, dass etwa die Hälfte der zitierten Betroffenen anonym bleiben wollte.
In fünf Kapiteln setzt sich Lafitte nicht nur mit dem Umgang Großbritanniens mit den Flüchtlingen und ihrer Situation sowie den Kriegsgefangenen auseinander. Dabei haben Augenzeugenberichte von der Versenkung der Arandora Star einigen Platz. Naturgemäß findet hingegen die Geschichte der Dunera aus Aktualitätsgründen keine Berücksichtigung.

Francois Lafitte, The Interment of Aliens, Taschenbuch 256 Seiten. Penguin Special, Großbritannien 1940. Eine Neuausgabe erschien 2001 in England. ISBN 478-1870352963.

Eine Gruppe von Historikern der Melbourner Monash University betreut das Buchprojekt Dunera Lives als Ergebnis ihrer langjährigen Arbeiten zur Geschichte der Internierungen in Australien, der Künstler unter den Dunera Boys und den Internierten der Queen Mary. 2018 erschien der erste Band mit dem Untertitel A Visual History. Hier sind die Internierung, die Reise der Dunera und das selbstorganisierte Lagerleben der Internierten der Hintergrund, vor dem ein umfangreiches bildkünstlerisches Werk entstand.
Das zweite Buch Dunera Lives – Profiles erzählt 19 Biografien von Ex-Internierten. Eingeleitet werden diese mit biografischen Beiträgen über den von den Soldaten höchst geachteten Kommandeur der 8th Australian Employment Company Edward Broughton und über Major Julian Layton, der für die britische Regierung die australischen Lager abwickelte. Beide Bände sind umfangreich und großteils mit farbigen Abbildungen illustriert.

Ken Inglis, Seumas Spark, Jay Winter u.a. Dunera Lives – A Visual History. Melbourne 2018. ISBN 978-1-925495-49-2. Dunera Lives – Profiles. Melbourne 2020. ISBN 9781925835656.

Eine umfassende Aufarbeitung der britischen Internierungspolitik während des 2. Weltkrieges haben Leni und Peter Gillman 1980 unter dem Titel Collar the Lot! vorgelegt. In dieser Faktensammlung spielen die Ereignisse um die Arandora Star und die Dunera eine zentrale Rolle. Die Gillmans blicken dabei auch auf den Hintergrund politischer Konflikte und Widersprüche. Aus der Fülle von Dokumenten, Erlebnisberichten Internierter und den Einschätzungen der Autoren entsteht ein spannend zu lesendes faktenreiches Sachbuch. 

Peter und Leni Gillman Collar the Lot! How Britain Interned and Expelled its Wartime Refugees. London 1980, 334 Seiten. ISBN 0 7043 2244 7.

Unter den Sachbüchern rund um die Dunera spielt The Dunera Affair eine besondere Rolle. Paul R. Bartrop und Gabrielle Eisen trugen schon 1990 auf rund 400 Seiten umfangreiches Material zusammen, das unkommentiert zitiert wird. Das betrifft sowohl offizielle Akten als auch Persönliches wie Auszüge aus Tagebüchern und Memoiren. Ein kurzer statistischer Anhang enthält eine Zusammenstellung der Berufe von mehr als 1400 Männern, aufgeteilt nach dem Alter. Ein wertvolles Hilfsmittel für historische Forschungen.

Paul R. Bartrop, Gabrielle Eisen, The Dunera Affair. A Documentary Ressource Book. Schwartz & Wilkinson, 1990, ISBN 1-56997-025-0.

Der australische Historiker Peter Monteath macht mit 30 Internierten- und Kriegsgefangenenlagern bekannt, die während beider Weltkriege in Australien betrieben wurden. Enthalten sind einige Biografien, unter ihnen die von Edmund Resch, einem Pionier der Bierbranche Australiens, des Künstlers Kurt Wiese, der später als Buchillustrator international bekannt wurde, und Reinhard Waldsax, der seine Lagerkameraden unter schwierigsten Bedingungen als Zahnarzt betreute. In Captured Lives gibt Monteath einen umfassenden Einblick in die Internierungen, der mit Fotos und Zeichnungen umfangreich illustriert ist.

Peter Monteath, Captured Lives. Australia’s Wartime Internment Camp. NLA Publishing, 2018. ISBN 9780642279248.

Szulem Faktor, ein polnischer Jude, erreichte Australien im Juli 1938. Im Mai 1942 meldete er sich freiwillig zur australischen Armee. Der 6th Employment Company gehörte er bis September 1945 an, zuletzt als Unteroffizier.
Dieser Teil der Familiengeschichte war für seine Tochter June Factor Anlass, das Thema aufzugreifen. Die Historikerib blickt hinter die Kulissen dieser Einheiten und leuchtet den Beitrag dieser rund 4.000 Mann azs, der lange unter dern Tisch gekehrt wurde. Das betrifft auch mehr als 600 Ex-Internierte der Dunera und Queen Mary, die in der 8th Employment Company dienten. Allen blieb der Dienst mit der Waffe veersagt. Factor geht nicht nur auf den Arbeitsalltag bei schweren Lade- und Transportarbeiten ein, sondern thematisiert auch die „Enjoyment Companies“ und das Geschehen in den mit Soldaten anderer Nationalitäten besetzten Einheiten.

June Factor Soldiers and Aliens, Melbourne University Press 2022, 328 Seiten. ISBN 9780522878585.

Das Kitchener Camp in Südengland war in der ersten Hälfte 1940  ein Durchgangslager, vorwiegend für bis zu 4.000 jüdische Männer aus Deutschland und Österreich, denen England Asyl bot, bis sie ihre Weiterreise in ein Drittland antreten konnten. In Four Thousand Lives  beschreibt Clare Ungerson die kurze Geschichte des Lagers, das auf der Brache eines ungenutzten Militärlagers eingerichtet und vollständig aus Spenden der britischen Bevölkerung finanziert wurde. Ungerson schildert breit die Hintergründe, vor denen sich die britische Regierung veranlasst sah, das Gelände zur Verfügung zu stellen und beschäftigt sich mit dem Ausbau und dem Alltag dort.
Das Lager wurde bald geschlossen, weil die Angst vor einer
„fünften“ Kolonne der Nazis zu Internierungen zehntausender Flüchtlinge führte. Zudem forderte das britische Militär das ohne Eigenleistung nutzbar gemachte Gelände zurück, das zunächst übrigens für die Ausbildung ausländischer Pioniersoldaten genutzt wurde.

Clare Ungerson, Four Thousand Lives. The Rescue of German Jewish Men to Britain, 1939. The History Press, 2014 und 2019. ISBN 978 0 7509 9235 0.

Aus erster Hand stammt ein Ressourcenbuch über die britischen
Deportationen nach Kanada. Denn Eric Koch, Autor von Deemed Suspect. A Wartime Blunder, war selbst einer der
Deportierten. Erst spät fasste er seine Erinnerungen und viele Dokumente zusammen, um die Situation darzustellen, die sich den Internierten bot, als ihnen in England die Freiheit genommen wurde und die Briten sie wider Willen nach Kanada verschifften.
Seine Darstellung der Vorgeschichte der vier Schiffstransporte, von denen die Arandora Star ihr Ziel nicht erreichte, betrifft
ebenso das Erleben der mehr als 2.000 Flüchtlinge, die mit dem fünften Schiff, der Dunera, nach Australien deportiert wurden.

Eric Koch, Deemed Suspect. A Wartime Blunder. Kanada 1980, ISBN 0-458-94490-4.

In mehreren Projekten und Büchern hat sich der Berliner Musikhistoriker Albrecht Dümling mit dem Exil jüdischer Musiker aus Deutschland und Österreich nach Australien befasst. In Die verschwundenen Musiker hat Dümling dieses bisher wenig beachtete Thema mit umfangreichen Recherchen und Erkenntnissen aus zahlreichen Interviews wiederbelebt. Der Autor stellt die jüdischen Musiker unter den Dunera Boys und Queen Mary-Internierten, wie Felix Werder und seinen Vater, den Kantor Boas Bischofswerder, in einen Gesamtkontext der deutsch-australischen Musikgeschichte. Eigene Kapitel beschäftigen sich mit den Aufführungen und Konzerten in den Internierungslagern und der Show „Sgt. Snow White“ von Soldaten der 8th Employment Company.

The Vanished Musicians, Verlag Peter Lang, 2016, 576 Seiten. ISBN
9783034319515. Auch als Ebook lieferbar.

Die Kindertransport retteten etwa 10.000 jüdische Kinder vor dem Zugriff der Nazis. Das wird gerne als  „humanitär“ gefeiert. Jedoch koppelte die britische Regierung das mit Bürgschaften und der Finanzierung durch Spenden und Freiwillige. Dabei wurde nicht nach einem Grad der Bedrohung jüdischer Kinder in Deutschland entschieden, sondern nach einem potenziellen Beitrag für England. Nicht nur, dass viele Kinder in ungeeignete Pflegestellen geschickt wurden. Im Jun/Juli 1940 wurde eine bislang unbekannte Zahl aus Schule oder Ausbildung geholt und nach Kanada oder Australien deportiert. Allein an Bord der Dunera waren 325 Jugendliche der Jahrgänge 1922, 1923 und 1924.
Andrea Hammel untersucht in The Kindertransport. Whar Really Happened die tatsächlichen Ereignisse und Hintergründe und schreibt mit Empathie und Einsicht. Es handelt sich hier um eine übearbeitete deutschsprachige Fassung ihres 2024 in England  veröffentlichten Buches.
Prof. Hammel lehrt Deutsch und ist Direktorin des Centre for the Movement of People an der Aberystwyth University (Wales).

The Kindertransport. What really Happened. Cambridge 2024. 169 Seiten. ISBN 978-1509553778.

Die Historische Gesellschaft von Hay stellte auf 200 Seiten Material zu den drei Internierungslagern zusammen, die nahe dieses Ortes im Bundesland New South Wales, 450 Straßenkilometer nördlich von Melbourne, eingerichtet worden waren. Neben vielen interessanten Informationen zur Geschichte des Lagers sind dort Kurzbiografien internierter Künstlern ebenso enthalten wie Auszüge aus Interviews mit Teilnehmern des Dunera-Wiedersehens von 1990 und mit Zeitzeugen aus dem Ort.

Hay Historical Society. Haywire. The War-time Camps at Hay. Neuauflage 2014. ISBN 0 9577610.

The Dunera Scanal ist ein häufig zitiertes Sachbuch des australischen Autoren Cyril Pearl, das 1983 zuerst in Australien erschien. Es ist eine gute Quelle für Zitate aus amtlichen Unterlagen und Aussagen von Dunera Boys, obwohl der Autor leider keinerlei genaue Quellen nennt. Ein Gewinn bei der Lektüre sind jedoch die vielen Gedichte und Liedtexte aus den Federn von Dunera Boys.
Leider unterliefen einige Fehler. Dunera Boy Walter Kaufmann kritisierte („Dunera News“ Nr. 12, Seite 19) falsche Informationen über seine Person (Seite 36f.) und ein Zitat aus einem Kaufmann-Buch „The Turn of a Spiral“, das zumindest bis zum Erscheinen dieses Dunera-Newsletters Mitte 1987 nicht veröffentlicht worden war. Die Informationen über den Queen Mary-Internierten  Franz Lebrecht (nicht „Leberecht“, Seite 49) sind völlig falsch.

Cyril Pearl The Dunera Scandal, Angus & Robertson, Melbourne 1983, 234 S. ISBN 0-207-14707-8.

Benzion Patkin war ein  australischer zionistischer Aktivist russischer Herkunft. Seit 1941 hatt er sich für die jüdischen Internierten in Hay und Tatura eingesetzt. The Dunera Internees geht von der Internierung in Großbritannien und der Reise der Dunera aus.  Anhand von Berichten von Internierten und umfangreichen Zitaten aus Dokumenten stellt er deren Situation in den Lagern ebenso dar wir die psychische Situation der Gefangenen.

Bezion Patkin The Dunera Internees, Cassell Australia, 1979, 186 S. ISBN 0-7269-6803-x.

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