Biografien & Romane
Während der Recherchen für die Artikel auf dunera.de entstand eine Handbibliothek mit Biografien und Autobiografien sowie einigen Romanen, die sich mit der Reise der Dunera und den Internieungen beschäftigen.
Soweit es sich um ältere Veröffentlichungen handelt eine Suche online – z. B. bei Antiquariaten oder Plattformen für Gebrauchtartikel – empfohlen.
Neuerscheinung
Ernst Kitzinger (1912-2003) war als Kunsthistoriker ein hochangesehener Spezialist für byzantinische und frühmittelalterliche Kunst. Er stammt aus einer Münchner jüdischen Familie, verließ Deutschland 1934 und wurde im British Museum angestellt. Die Regierung dankte ihm seine fachlich anerkannte Arbeit mit der Internierung in Australien, aus der er 1941 freigelassen wurde. Nun fand er Arbeit an Instituten in den USA.
Voices of the Dunera macht erstmals mit Texten aus dem literarischen Werk der Internierten bekannt. Kitzinger, so die Autoren, „motivierte seine Mitinternierten, ihre besonderen Lebensumstände zu beschreiben. In eindrucksvollen und oft sehr bewegenden Prosatexten und Gedichten reflektierten sie über ihr Schicksal und das Unglück der Flüchtlinge. Ihre bisher unveröffentlichten Worte sind auch heute noch von erstaunlicher Aktualität“.
Der Band erscheint im April 2026 in englischer Sprache.
Seumas Spark, Andrew McNamara, Kate Garrett Voices of the Dunera. Ernst Kitzinger, Exile, and Essays on Internment, Oxford/New York 2026, 130 Seiten. ISBN 978-1-83695-443-9.
Biografien und Romane in deutscher Sprache
Letzte Monate in Wien schildert Reinhold Eckfeld in einem kleinen, aber um so packenderem Buch. Der damals 16jährige Wiener Jude erzählt seine Erlebnisse und über den Alltag jüdischer Menschen von der „Kristallnacht“ bis zu seiner Flucht Ende 1938. Sie sahen sich den Übergriffen ihrer Landsleute ausgesetzt, die sich nach dem Einmarsch der Hitler-Armee als getreue Hitleristen und schlimme Antisemiten profilierten. Reinhold Eckfeld schildert viele Begegnungen, die mit der Beschaffung der Unterlagen für die Ausreise verbundenen Schikanen der Bürokratie. Er beschreibt mit außerordentlicher und beängstigender Genauigkeit die Adressen, dass Aussehen von Dienstgebäuden, die darin herrschenden Stimmungen usw. Schließlich kann Reinhold als erste Fluchtstation in die nicht minder antisemitische Schweiz entkommen. Der weitere Lebensweg führte Reinhold und seinen älteren Bruder Waldemar nach Großbritannien. Dort wurden sie als „feindliche Ausländer“ eingesperrt und im Juli 1940 auf der HMT Dunera nach Australien abgeschoben. Im Internierungslager schrieb Reinhold seine Erinnerungen in deutscher Sprache auf. Herausgeber Martin Kirst ergänzte den Text durch zahlreiche Fotos und erläuternde Fußnoten.
Für die Neuauflage von 2024 (Cover rechts) erweiterte Martin Krist das Buch um neue Informationen und Dokumente.
Reinhold Eckfeld, Martin Krist (Hrg.), Reinhold Eckfelds Bericht – Vom Novemberpogrom bis zur Flucht aus Wien. Theodor-Kramer-Gesellschaft, Wien, 2024, 108 Seite 18 €, ISBN 978-3-903522-24-4.
Reinhold Eckfeld, Letzte Monate in Wien, Hrg. Martin Krist. Turia+Kant, Wien 2002, ISBN 3-85132-312-2.
Österreichs Nationalfonds unterstützt Forschungen über die Lebensgeschichten von Naziopfern. Die dreibändige Kassette Exil in Australien erschien als Band 5 der Buchreihe Erinnerungen. Sie enthält auf 1.000 Seiten 21 biografische Berichte. Darunter ist ein Text des Dunera Boy Heinz Altschul, der auf einem der Coverfotos als Soldat der 8th Employment Company abgebildet ist.
Auch über Künstlerfamilien wie die Duldigs, die aus Wien über Singapur und mit der Queen Mary nach Australien kam, wird in Erzählungen und Selbstzeugnissen ausführlich berichtet. Das Buch ist komplett in deutscher und englischer Sprache gehalten und mit umfangreichem Bildmaterial ausgestattet.
Mehr zur Buchreihe.
Renate S. Meissner/Nationalfonds (Hrg.), Erinnerungen Band 5 – Exil in Australien. Wien 1918. ISBN 978-3-9504794-8-5. 3 Bücher im Schuber.
Dunera Boy Richard W. Sonnenfeldt (1923 – 2009) betitelte seine deutschsprachige Autobiografie Mehr als ein Leben. Der Arztsohn wurde 1923 in Berlin geboren und konnte mit seinem jüngeren Bruder Helmut 1938 nach England entkommen. Durch Richards Deportation wurden sie getrennt. Während Helmut in die USA reisen konnte, führte der Weg Richards auf der Dunera nach Australien. Aber schon nach wenigen Tagen wurde er nach England zurückgeschickt. Diese Reise traten er und 12 Exil-Kameraden ausgerechnet auf der Dunera an. Sie wurden aber in Bombay an Land geschickt, von wo Sonnenfeldt erst nach Monaten in die USA gelangte. Als US-Soldat kehrte er nach Deutschland zurück und wurde als Chefdolmetscher des US-Anklägers zu den Nürnberger Prozessen befohlen. Als Elektroingenieur war er später u.a. an der Entwicklung des Farbfernsehens und den Vorbereitungen der NASA für die Mondlandung beteiligt.
Unter dem Titel Witness to Nuremberg erschien eine Biografie in englischer Sprache.
Richard W. Sonnenfeldt, Mehr als ein Leben. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M 2005. ISBN 3-596-16415-X.
Ausgehend vom Nachlass seines 1921 geborenen Vaters Paul schreibt Thomas Friedländer über Pauls Leben von der Kindheit in einem jüdischen Waisenhaus, dessen Flucht mit einem Kindertransport nach England, die Deportation nach Australien und den dortigen Armeedienst. Eine „gewöhnliche Dunera-Biografie“, so will es scheinen, aber doch untypisch. Paul – in Dunera-Kreisen als „Bonzo“ bekannt – hatte als Jugendlicher Kontakt zur jüdisch-kommunistischen Widerstandsgruppe Herbert Baum in Berlin. Das prägte sein Leben. 1947 nach Ostberlin zurückgekehrt geriet er in der DDR – als beargwöhnter West-Exilant, später als kritischer Analysator der Afrika-Politik des Westens – ins Visier der SED-Betonköpfe. Zunehmend erschwerte eine Augenkrankheit Arbeit und Alltag. Depressiv und erblindet setzte „Bonzo“ seinem Leben 1980 ein Ende.
Thomas Friedländer verbindet den Bericht mit Erinnerungen an gemeinsame und ihn prägende Erlebnisse, schreibt über eigene Erfahrungen in der DDR und nach der Wende. In einem weiteren umfangreichen Teil arbeitet er sich von der Geschichte seiner Großeltern in die Stammbäume und findet eine durch die Naziverfolgung in alle Welt verstreute Familie.
Nachdem Thomas erfahren hatte, dass Arthur West mit der Edition Schwarzdruck eng verbunden war, wurde das der Verlag seiner Wahl. Denn der als Arthur Rosenthal geborene Österreicher war ein Dunera Boy …
Thomas Friedländer, Bonzos Auge, Edition Schwarzdruck, Gransee 2023, 400 Seiten, ISBN 978-3-96611-027-3, 27,00 €.
Dunera Boy Klaus Wilczynski (1920 – 2008) erzählt in seinem autobiografischen Buch Das Gefangenenschiff ausführlich über seine Erlebnisse von der britischen Internierung bis zum australischen Armeedienst. Der Titel steht für den, soweit bekannt, detailreichsten Bericht über die 57tägige Schreckensfahrt der Dunera von Liverpool nach Sydney.
In den Mittelpunkt seines zweiten autobiografischen Buches Auf einmal sollst du ein Fremder sein stellt Wilczynski, Sohn eines jüdischen Arztes in Berlin-Charlottenburg, seine Kindheit und sein Erleben von Nazi-Verfolgung und Widerstand als jüdischer Jugendlicher. Er erzählt außerdem über die Schicksale seiner Verwandten.
Klaus Wilczynski, Das Gefangenenschiff. Mit der „Dunera“ über vier Weltmeere. Verlag am Park, Berlin 2001. eBook: ISBN 978-3-89793-312-5. Auf einmal sollst du ein Fremder sein. Eine Berliner Familiengeschichte. Verlag am Park, Berlin 1998. eBook: ISBN 978-3-89793-311-8.
Die u.a. durch ihren Roman Aimée & Jaguar und dessen Verfilmung weltbekannte deutsch-österreichische Schriftstellerin Erica Fischer erzählt in Königskinder die wahre Geschichte ihrer Eltern Erich und Irka. Als österreichische Juden wurden sie im britischen Exil kurz nach der Hochzeit auseinandergerissen: Erich durchlebt die Höllenfahrt der Dunera nach Australien und das Wüstenlager Hay. In London übersteht Irka den Krieg. Es dauert lange, bis sie brieflich Kontakt aufnehmen können und Jahre, bis Irka und Erich wieder zusammenkommen. Anhand der hinterlassenen Briefe erzählt Erica Fischer die Geschichte dieser Liebe und der Trennung ihrer Eltern durch den Krieg.
Erica Fischer, Königskinder. Rowohlt, Berlin 2012. ISBN 978-3871347412. Die englische Ausgabe Over the Ocean erschien 2014 bei Hesperus Press, London.
Kurt Hans Winkler (1902-1992) war einer der Überlebenden der Arandora Star, derer sich Großbritannien schon wenige Tage später auf der Dunera nach Australien entledigte. Er war Protestant und „Halbjude“. Schon 1933 befürchtete er politische Verfolgung wegen einiger Hitler-Karikaturen und seiner konsequent demokratischen Weltsicht. Er ging über Frankreich nach Englandund zeichntete dort u.a. Promis und Mitglieder der Königsfamilie. Gleichwohl verweigerte ihm Britannien den Flüchtlingsstatus und stufte ihn als Nazi (!) ein, mit denen er im australischen Lager Tatura 2 interniert wurde. Er wurde australischer Bürger, verließ das Land aber 1951 und pendelte zwischen England, Kontinentaleuropa, den USA Hawaii und Australien – stets auf er Suche nach einem Auskommen durch seine künstlerische Arbeit als Maler, Zeichner, Bildhauer, Gestalter. In seiner Autobiografie schildert er zahllose Begegungen mit Promis und reichen Gönnern. Es ist zugleich ein Bericht über das 20. Jahrhundert aus ganz persönlicher Sicht.
Kurt Winkler Mein Vagabundenleben wider Willen. Berlin o. J. (Eigenverlag), 240 Seiten. mit zahlreichen Werksabbildungen und Fotos. ISBN 3-926520-28-0.
Die Brüder Jobst, Rainer und Uwe Radok konnten aus Ostpreußen fliehen. Rainer, der jüngste des Trios, beginnt seinen Lebensbericht mit der Geschichte seiner jüdischen Familie in Königsberg (Ostpreußen). Er berichtet über das Exil und schildert, wie banale Gründe zu einer falschen Einstufung als Nazis durch britische Behörden führen, wie die Brüder den Untergang der Arandora Star überlebten und mit der Dunera nach Australien deportiert wurden.
In Von Königsberg nach Melbourne ist ein authentischer bewegender Report über die Geschichte einer jüdischen Familie vor dem Hintergrund von Holocaust und Exil.
Die englische Ausgabe Survival erschien 1992 in Bangkok.
Rainer Radok, Von Königsberg nach Melbourne, Institut Nordd. Kulturwerk, Lüneburg 1998, 185 S., ISBN 393226715X.
In Die unfreiwillige Weltreise erzählt der Schriftsteller Max Zimmering (1909 – 1973) die Flucht seines jungen Helden Manfred, der aus einer kommunistischen Familie in Dresden stammt, vor politischer und rassistischer Verfolgung durch die Faschisten. Er sucht nach seinem älteren Bruder, der für die spanische Republik kämpft. Manfred kommt über Prag und England schließlich bis nach Australien: Nach dem Krieg kehrt er in seine Heimatstadt Dresden zurück, um sich am Aufbau eines antifaschistischen Deutschland zu beteiligen.. Das Buch ist von Zimmerings eigenem Erleben als Flüchtling aus Nazideutschland und als Dunera Boy mitgeprägt.
Max Zimmering, Die unfreiwillige Weltreise. Kinderbuchverlag, Berlin 1956 (Erstauflage, Nachauflagen in der DDR).
Walter Kaufmann (1924 – 2021) war einer der jüngsten Dunera Boys. Wie etwa 900 Kameraden kam er 1945/46 nach Internierung und Armeedienst frei und nahm die australische Staatsbürgerschaft an. Er arbeitete u.a. als Seemann und Hafenarbeiter. Gewerkschafter förderten seine schriftstellerischen Ambitionen. 1953 erschien mit Voices In the Storm (Stimmen im Sturm) sein erster Roman, in dem er eigene Erlebnisse im Nazistaat mit einer Widerstandsgeschichte verband. Später übersiedelte er in die DDR, wo er als Schriftsteller lebte. In seinen deutschpsrachigen Kurzgeschichten und Erzählungen greift er immer wieder seine Erlebnisse im britischen und australischen Exil auf und berichtet über seine Begegnungen mit Zeitzeugen. Hier nur zwei Beispiele.
Walter Kaufmann, Schade, dass du Jude bist. Dittrich, Berlin 2017, ISBN 978-3943941890. Die meine Wege kreuzten. Begegnungen aus neun Jahrzehnten. Quintus, Berlin 2018, ISBN 978-3-947215-24-9.
Den wenig subtilen Alltag der Judenverfolgung erlebt der Kaufmann Otto Silbermann Ende 1938 in Berlin. Geschäft und Wohnung werden ihm genommen. Der Reisende ist die 1939 von Ulrich Alexander Boschwitz (*1915) aufgeschriebene tief bewegende Geschichte eines desillusionierten deutschen Juden, dem nichts bleibt, als die Gleichgültigkeit der Menschen in Zügen und auf Bahnhöfen zu beobachten. Die Menschen neben dem Leben in Boschwitz‘ Debut sind Opfer der Wirtschaftskrise der 1920 Jahre, die sich allabendlich in einer Berliner Kneipe begegnen und versuchen, ihre Würde zu wahren.
Beide Bücher erschienen erstmals 1937 bzw. 1939 in Schweden. Erst 2018 wurde Der Reisende in Deutschland erstmals gedruckt und danach Gegenstand etlicher Theaterproduktionen.
Auf der Flucht vor den Nazis kamen Boschwitz und seine Mutter nach England. Dort wurde er 1940 als feindlicher Ausländer interniert und mit der Dunera nach Australien deportiert. Auf der Rückreise wurde die unbegleitet fahrende MS Abosso am 29. Oktober 1942 von einem deutschen U-Boot versenkt. Unter den 361 Todesopfern war auch der nur 27jährige Ulrich Alexander Boschwitz.
Ulrich Alexander Boschwitz, Der Reisende. Clett-Cotta, Stuttgart 2019. ISBN 978-3-608-98123-0. Menschen neben dem Leben, Clett-Cotta, Stuttgart 2019. ISBN 978-3-608-96409-7.4-9.
„Der rasende Reporter“ Egon Erwin Kisch (1885-1948), Journalist und Kommunist, reiste Ende 1934 nach Australien, um für Europas Nazigegener bei einem Antikriegskongress zu sprechen. Australiens Regierung der rassistischen und nazifreundlichen United Australia Party (UAP) wollte seine Einreise unter allen Umständen verhindern, denn sie befürchtete einen Aufschwung der linken Opposition und Gewerkschaften. Kisch sprang in Melbourne von Bord des Schiffes, brach sich das Bein und konnte sein Aufenthaltsrecht letztlich vor Gericht durchsetzen. Von der Regierung verfolgt und von politischen Freunden geschützt, bereiste er Australien und berichtete über die Situation im Nazireich. Der Reportageband Landung in Australien wurde 1937 erstmals veröffentlicht. Er enthält auch Texte, in denen Kisch Erfahrungen seiner Reisen durch Australien und Historisches miteinander verbindet. Das tut er in mitreißenden literarischen Reportagen und stets aus gewerkschaftlicher Sicht. Auch nach rund 90 Jahren ist Kischs doppelsinnige „Landung“ lesenswert und zeitlos.
Egon Erwin Kisch, Landung in Australien. Links die erste westdeutsche Ausgabe, die 1975 in DDR-Lizenz erschien. Rechts eine englischsprachigen Ausgabe von 1937.
Biografien und Romane in englischer Sprache
Eine Gruppe von Historikern der Melbourner Monash University betreut das Buchprojekt Dunera Lives als Ergebnis ihrer langjährigen Arbeiten zur Geschichte der Internierungen in Australien, der Künstler unter den Dunera Boys und den Internierten der Queen Mary. 2018 erschien der erste Band mit dem Untertitel A Visual History. Hier sind die Internierung, die Reise der Dunera und das selbstorganisierte Lagerleben der Internierten der Hintergrund, vor dem ein umfangreiches bildkünstlerisches Werk erzähölt wird. Das zweite Buch Dunera Lives – Profiles erzählt 19 Biografien von Ex-Internierten. Eingeleitet werden diese mit biografischen Beiträgen über den von seinen Soldaten höchst geachteten Kommandeur der 8th Australian Employment Company Edward Broughton und über Major Julian Layton, der für die britische Regierung die australischen Lager abwickelte. Beide Bände sind umfangreich und großteils mit farbigen Abbildungen illustriert.
Ken Inglis, Seumas Spark, Jay Winter u.a. Dunera Lives – A Visual History. Melbourne 2018. ISBN 978-1-925495-49-2.
Dunera Lives – Profiles. Melbourne 2020. ISBN 9781925835656.
Dunera Boy Richard W. Sonnenfeldt (1923 – 2009) betitelte seine Autobiografie Witness to Nuremberg als Referenz an seine Tätigkeit als US-Chefdolmetscher während der Nürnberger Prozesses gegen Nazigrößen.
Er wurde mir 12 Kameraden schon nach wenigen Tagen – ausgerechnet auf der Dunera – zurückgeschickt. Bei einem Zwischenstopp in Bombay wurde die Gruppe von Bord geschickt und von den britischen Behörden „vergessen“. Erst nach Monaten konnte Sonnenfeldt in die USA reisen. Als US-Soldat kehrte er nach Deutschland zurück Nach dem Miltirdienst war er als Elektroingenieur u.a. an der Entwicklung des Farbfernsehens und den Vorbereitungen der NASA für die Mondlandung beteiligt.
Richard Sonnenfeldt Witness to Nuremberg. Arcade Publishing, New York 2002-2011. P: ISBN 978-1-61145-030-9.
Die u.a. durch ihren Roman Aimée & Jaguar und dessen Verfilmung weltbekannte deutsch-österreichische Schriftstellerin Erica Fischer erzählt in der englischen Ausgabe von Königskinder die wahre Geschichte ihrer Eltern Erich und Irka. Als österreichische Juden wurden sie im britischen Exil kurz nach der Hochzeit brutal auseinandergerissen: Erich durchlebt die Höllenfahrt der Dunera nach Australien und das Wüstenlager Hay. In London übersteht Irka den Krieg. Es dauert lange, bis sie brieflich Kontakt aufnehmen können und Jahre, bis Irka und Erich wieder zusammenkommen. Anhand der hinterlassenen Briefe erzählt Erica Fischer die Liebesgeschichte ihrer Eltern.
Erica Fischer, Königskinder. Rowohlt, Berlin 2012. ISBN 978-3871347412. Die englische Ausgabe Over the Ocean erschien 2014 bei Hesperus Press, London.
Tonia Eckfeld geht in No One Knows Their Destiny weit über die Erlebnisse ihres Vaters Reinhold und ihres Onkels Waldemar von der „Reichskristallnacht“ in Wien bis zum Ende des 2. Weltkrieges in Melbourne hinaus. Beide mussten 17- bzw. 24jährig ihre Heimat Österreich verlassen, wurden in England zu Unrecht als „Feinde“ eingesperrt und nach Australien deportiert. Waldemar wurde zum Opfer eines ungestraften brutalen Übergriffs der Wachsoldaten auf der HMT Dunera. Das bestimmte sein weiteres Leben.
Die australische Kunsthistorikerin Prof. Tonia Eckfeld leitet das Buch mit einem (erstmals in englischer Sprache vorliegenden) Auszug aus Reinholds 2002 in Österreich erschienenen Erinnerungen „Letzte Monate in Wien“ ein. Sie ergänzt die Lebensgeschichten von Vater und Onkel um bislang unveröffentlichte Kunstwerke, Fotografien und Dokumente. Sie lädt ihre Leser ein, mit neuen Perspektiven auf die Dunera Boys zu schauen und dabei die Auswirkungen von Krieg, Trauma und Vermächtnis auf Familien zu erkennen und zu berücksichtigen.
Tonia Eckfeld, No One Knows Their Destiny. The Eckfeld Records: Inside the Dunera Story. Monash University Publishing, Melbourne 9/2024, ISBN 9781922979780.
Bis nach dem Meteorologen und Glaziologen Uwe Radok (1916 – 2009) ein See in der Antarktis benannt wurde war es für ihne ein weiter Weg, der ihn und seine Brüder Jobst und Rainer aus der ostpreußischen Stadt Königsberg und über die Deportation aus England auf der Arandora Star, deren Versenkung sie überlebten. Mit 450 Überlebenden fanden sie sich schon 10 Tage später auf der Dunera und unterwegs nach Australien wieder.
Uwe Radoks Tochter Jacquie Houlden und der Melbourner Historiker Seumas Spark veröffentlichen Auszüge aus Uwes Tagebüchern während Internierung und Armeedienst zwischen Juni 1940 und Februar 1943. Dabei werden seine Versuche deutlich, nicht nur das Erleben des Exils zu verarbeiten und einzuordnen, sondern auch eine Identitätskrise – eine Shadowline – zu überwinden.
Jacquie Houlden, Seumas Spark (Übersetzungen Kate Garret), Shadowline. Monash University Publishing, Melbourne 2022: ISBN 978-1-92263-362-0.
Als Jugendlicher entkommt Lutz Eichenbaum (1923 – 2010) der Judenverfolgung von Nürnberg mit einem Kindertransport nach England und sieht seine Eltern zum letzten Mal in seinem Leben. Es folgen die Deportation auf der Dunera, Jahre hinter australischen Stacheldraht und der „freiwillige“ Dienst in der 8th Australian Employment Company. Nach dem Krieg änderte er seinen Namen in Leslie Ernest Everett und wurde australischer Staatsbürger. Not Welcome fügt Lutz‘ Tagebücher, Akten des australischen Nationalarchives und andere Materialien zu einer ebenso spannenden wie authentischen Biografie zusammen.
Sue Everett, Not Welcome: A Dunera Boy’s escape from Nazi oppression to eventual freedom in Australia, 2011, 272 Seiten (nur als e-Book).
Gerd Bernstein, geboren in Berlin 1922, konnte mit einem Kindertransport vor der Verfolgung durch die Nazis gerettet werden. Von den Briten zwei Jahre später nach Australien, diente er nach der Internierung in einer Arbeitseinheit der Armee nd nahm anschließend die australische Staatsbürgerschaft und den Namen Bern Brent an. Er war einer der aktivsten Dunera Boys, die sich um die Aufarbeitung der Internierungen kümmerte.
In My Berlin Suitcase öffnet er den sprichwörtlichen Koffer und läßt seine Leser an Erinnerungen an seine Kinderheit im Berlin der Judensterne teilhaben – bis seine Eltern den Krieg kommen sahen und ihn mit nach England schicken konnten.
Bern Brent, My Berlin Suitcase. Memories of a childhood. USA 2000, ISBN 9780646393698.
Ludwig Hirschreld-Macl (1893-1965) hatte den Beruf des Druckers am Bauhaus in Weimar erlernt, unterrichtete danach an Schulen und Hochschulen, bevor er 1936 nach Großbritannien flüchtete. Nach Australien deportiert, blieb er nach der Freilassung dort, wurde australischer Staatsbürger und Leiter einer Kunstschule. Während der Internierung entstanden zahlreiche Arbeiten, die sich mit dem Lagerleben auseinandersetzen.
Die fesselnde Biografie des „Lehrers, Musikers, Erfinders, Darsteller und Pazifisten – eines Mannes voller Mitgefühl und Widerstandskraft“ stützt sich u.a. auf Recherchen in Familienarchiven und mündliche Überlieferungen. Sie zeigt viele Details seines außergewöhnlichen Lebens. „Letztendlich ist seine Geschichte ein Plädoyer für Kreativität und Unternehmungsgeist und ein bewegendes Zeugnis unserer gemeinsamen Menschlichkeit.“
Die Autoren: Resi Schwarzbauer wurde im Internierungslager Tatura geboren und wurde für ihr Engagement als Deutschlehrerin vielfach ausgezeichnet. Chris Bell ist der Enkel von Hirschfeld-Mack und verwaltet den künstlerischen Nachlasses seines Großvaters.
Resi Schwarzbauer, Chris Bell Ludwig Hirschfeld-Mack. More tha a Bauhaus Artist. Australien 2021, 392 Seiten mit 200 teils farbigen Abbildungen, ISBN 978-0648957416.
Kurt Hans Winkler (1902-1992) war einer der Überlebenden der Arandora Star, derer sich Großbritannien schon wenige Tage später auf der Dunera nach Australien entledigte. Er war Protestant und „Halbjude“. Schon 1933 befürchtete er politische Verfolgung wegen einiger Hitler-Karikaturen und seiner konsequent demokratischen Weltsicht. Er ging über Frankreich nach Englandund zeichntete dort u.a. Promis und Mitglieder der Königsfamilie. Gleichwohl verweigerte ihm Britannien den Flüchtlingsstatus und stufte ihn als Nazi (!) ein, mit denen er im australischen Lager Tatura 2 interniert wurde. Er wurde australischer Bürger, verließ das Land aber 1951 und pendelte zwischen England, Kontinentaleuropa, den USA Hawaii und Australien – stets auf er Suche nach einem Auskommen durch seine künstlerische Arbeit als Maler, Zeichner, Bildhauer, Gestalter. In seiner erstmals in englischer Sprache erschienene Autobiografie schildert er zahllose Begegungen mit Promis und reichen Gönnern. Es ist zugleich ein Bericht über das 20. Jahrhundert aus ganz persönlicher Sicht.
Kurt Winkler My Vagabond Life. London 1987, 238 Seiten mit 86 Werk-Reproduktionen und Fotos, ISBN 0 7212 0708 1.
Die Brüder Jobst, Rainer und Uwe Radok konnten aus Ostpreußen fliehen. Rainer, der jüngste des Trios, beginnt seinen Lebensbericht mit der Geschichte seiner jüdischen Familie in Königsberg (Ostpreußen). Er berichtet über das Exil und schildert, wie banale Kindheits-Ereignisse zu einer inkompetenten und falschen Einstufung als Nazis durch britische Behörden führen, wie die Brüder den Untergang der Arandora Star überlebten und wie sie mit der Dunera nach Australien deportiert wurden.
Survival ist ein bewegender und authentischer Report über die Geschichte einer jüdischen Familie vor dem Hintergrund von Holocaust, Flucht und Exil.
Rainer Radok, Survival erschien 1992 in Bangkok
Den wenig subtilen Alltag der Judenverfolgung erlebt der Kaufmann Otto Silbermann Ende 1938 in Berlin. Geschäft und Wohnung werden ihm genommen. The Passenger ist die 1939 von Ulrich Alexander Boschwitz (*1915) aufgeschriebene tief bewegende Geschichte eines desillusionierten deutschen Juden, dem nichts bleibt, als die Gleichgültigkeit der Menschen in Zügen und auf Bahnhöfen zu beobachten. Die Menschen neben dem Leben in Boschwitz‘ Debut sind Opfer der Wirtschaftskrise der 1920 Jahre, die sich allabendlich in einer Berliner Kneipe begegnen und versuchen, ihre Würde zu wahren. Beide Bücher erschienen erstmals 1937 bzw. 1939 in Schweden. Erst 2018 wurde Der Reisende in Deutschland erstmals gedruckt.
Der junge Mann starb am 29. Oktober 1942, als die unbegleitet fahrende MS Abosso auf dem Weg nach Liverpool von einem deutschen U-Boot versenkt wurde.
Ulrich Alexander Boschwitz, The Passenger. USA 2021, 288 Seiten. ISBN 9789781782275404.
In ihrer Heimat Australien ist die Kinderbuchautorin Claire Saxby durch ihre Bilderbücher zu historischen Themen bekannt. Für ihr Buch zum Dunera-Thema befand sie jedoch die Form eines Romans als sachgerecht. In Haywire treffen Tom, der Sohn der Bäckerfamilie aus dem australischen Internierungsort Hay, und der gleichaltrige deportierte deutsche Jude Max aufeinander. Unterschiedliche Wurzeln und gemeinsames Erleben macht die 14jährigen zu Freunden. Dafür nutzt Saxby sowohl das historische Umfeld des „fernen“ Krieges als auch authentische Ereignisse in der australischen Provinz.
Claire Saxby, Haywire, Australien 2020, 240 Seiten, ISBN 9781942769196.